Bei Gesprächen des EU-Handelskommissars Sefcovic in China könnte es auch um Zölle auf Hybridautos gehen. Die Beratungsgesellschaft Deloitte hat analysiert, was sie bewirken könnten.
In den Gesprächen, die EU-Handelskommissar Maros Sefcovic derzeit in Peking führt, gilt die Möglichkeit von Zöllen auf chinesische Hybridautos als Teil der europäischen Drohkulisse. Doch wie viel könnte ein solches Instrument bewirken? Die Beratung Deloitte hat dies für Plug-in-Hybride in Deutschland analysiert – Autos, die einen Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor und einer Batterie sowie einen Ladeanschluss kombinieren. Der Effekt könnte nach der Untersuchung deutlich sein.
Als Beispiel für die Analyse zieht Deloitte dabei die Zölle heran, die 2024 auf reine Elektroautos aus China verhängt wurden. Diese hätten damals unmittelbar Wirkung gezeigt und in den großen europäischen Märkten die Absätze der Stromer aus China sinken lassen.
Würden nun ähnliche Zölle auf Plug-in-Hybride verhängt, würde das deren Preise im Schnitt um rund 10 Prozent erhöhen - sofern die zusätzlichen Kosten an die Kunden weitergegeben werden. Sollte dies passieren, würde dies die Gesamtnachfrage nach Plug-in-Hybriden in Deutschland nach der Analyse um rund 12 Prozent drücken. Explizite Zahlen für die chinesischen Hersteller nennt Deloitte nicht. Es ist aber logisch, dass der Effekt vor allem bei ihnen zuschlagen würde, da sie in diesem Segment stark sind.
Wahrscheinlich würde Zoll nicht gleich weitergeben
Allerdings glaubt der Leiter des Automobilsektors bei Deloitte, Harald Proff, nicht, dass die Zölle automatisch weitergeben würden. «Wahrscheinlicher ist, dass die Hersteller zunächst auf Margen verzichten», sagt er. «Für viele chinesische Anbieter hat der europäische Markt derzeit eine so hohe strategische Bedeutung, dass Marktanteilsgewinne wichtiger sein dürften als kurzfristige Profitabilität.»
Der Hybrid-Auto-Streit ist in Peking allerdings nur ein Teil der Gespräche. Bei ihnen geht es darum, einen größeren Handelskonflikt abzuwenden. Eine Einigung bei den Hybrid-Autos gilt dabei aber als möglicher Schritt in Richtung Deeskalation.
Beschränkungen auch für andere Länder?
Nach Angaben von Diplomaten hat China bis zuletzt Forderungen zurückgewiesen, seine stark gestiegenen Exporte von Hybridautos freiwillig zu begrenzen. Drohkulisse ist deswegen nun eine zeitlich befristete Schutzmaßnahme, die chinesische Hybridimporte durch Einfuhrquoten und hohe Zölle für darüber hinausgehende Lieferungen beschränken würde. Sie könnte vermutlich aber nur dann eingeführt werden, wenn sie auch für andere Handelspartner wie Japan, Südkorea und Großbritannien gelten würde.
Grundsätzlich hat sich die EU das Ziel gesetzt, das aus ihrer Sicht nicht mehr tragbare Handelsdefizit mit China von rund einer Milliarde Euro täglich zu begrenzen. Dazu soll auch der chinesische Marktanteil bei Hybridautos in der EU auf etwa 15 Prozent begrenzt werden.