Fünf Gründe, warum die Wahl im Südwesten jetzt spannend wird
Autor: Nico Pointner und David Nau, dpa
, Freitag, 27. Februar 2026
Auf den letzten Metern ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das Erbe Kretschmanns: Die Grünen sind plötzlich fast auf Augenhöhe mit der CDU. Wie kann das sein? Und was hat das mit dem «Rehaugen»-Video zu tun?
Es sind nur Zahlen, aber sie stellen den bisher eher langweiligen Wahlkampf in Baden-Württemberg komplett auf den Kopf: Die Grünen von Cem Özdemir, viele Monate in Umfragen weit abgeschlagen hinter der eigentlich siegessicheren CDU, liegen plötzlich fast gleichauf mit den Konservativen. Deshalb wird der Wahlkampf in der heißen Phase noch richtig spannend:
1. Der Umfrage-Hammer
Der Vorsprung der CDU war zwar über die vergangenen Monate geschmolzen, galt aber wenige Tage vor der Wahl am 8. März weiter als kaum einzuholen. Dann veröffentlichen zwei Meinungsforschungsinstitute neue Zahlen, die es in sich haben: In der ARD-Befragung von Infratest dimap liegen die Grünen plötzlich bei 27 Prozent – nur einen Prozentpunkt hinter der CDU. Ende Januar lag der Abstand noch bei sechs, im Oktober noch bei neun Punkten. Im Oktober 2024 lag er sogar bei 16 Punkten.
Dass das Rennen um den Wahlsieg nun komplett offen sein dürfte, legt auch das ZDF-Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen nahe. Darin kommen die Grünen auf 25 Prozent, die CDU auf 27 Prozent.
Die veränderte Lage liegt nicht daran, dass die CDU viel schlechter dastünde als zuvor. Vielmehr haben die Grünen deutlich zugelegt.
2. Der Köpfe-Faktor
Ulrich Eith, Politikwissenschaftler an der Uni Freiburg, erklärt sich deren Aufholjagd mit der zunehmenden Bedeutung der Persönlichkeitswerte der Spitzenkandidaten - bei denen liegt Ex-Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir schon seit Beginn des Wahlkampfs klar vorn. «Das muss so sein, dass der Persönlichkeitsfaktor zunehmend eine Rolle spielt», sagte er. «Anders ist das nicht erklärbar.»
Als Partei präferierten viele Baden-Württemberger die CDU, aber als Ministerpräsident hätten die Menschen lieber Özdemir als den noch relativ unbekannten CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel. Das belegen auch die Umfragen: In beiden führt Özdemir bei der Frage, wen die Menschen lieber als Ministerpräsidenten haben wollen, sehr deutlich vor Hagel.
«Die Personalisierung des Wahlkampfs ist unglaublich stark», meint auch Politologe Joachim Behnke von der Zeppelin Uni in Friedrichshafen. «Es geht immer mehr um Köpfe - und Özdemir ist der populärste Kandidat.» Der habe sich im Wahlkampf extrem von seiner Partei abgegrenzt. «Die Grünen kommen nicht mal auf dem Plakat vor. Das ist ganz auf die Person zugeschnitten - und das scheint sich gelohnt zu haben.»