Koalition droht neuer Streit um Steuerreformen
Autor: Andreas Hoenig, Marco Hadem und Michael Fischer, dpa
, Mittwoch, 07. Januar 2026
Die SPD will reiche Erben künftig mit einer höheren Steuer belegen. Der Vorschlag kommt bei der CSU nicht gut an. Umgekehrt hat die SPD aber auch Probleme mit anderen Steuerplänen von CDU und CSU.
Der schwarz-roten Bundesregierung droht zum Jahresauftakt neuer Streit wegen gegensätzlicher Positionen zu Steuerreformen. CDU und CSU wollen eine Senkung von Unternehmensteuern vorziehen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die SPD spricht sich dafür aus, sehr hohe Erbschaften stärker als bislang zu besteuern.
CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann erteilte diesen SPD-Plänen bei der Klausur im oberbayerischen Kloster Banz eine Absage. Dies ginge «in Richtung einer Erhöhung der Erbschaftssteuer». Es handele sich daher um eine «leistungsfeindliche» Steuerreform. «Und wenn ich eben Wachstum und Wirtschaft stützen und fördern will, dann muss ich alles tun, was leistungsfreundlich ist und alles vermeiden, was leistungsfeindlich ist.»
Steuerreform vorziehen?
Bundestag und Bundesrat haben im vergangenen Sommer ein Wachstumspaket beschlossen. Dazu gehören milliardenschwere Steuerentlastungen für Unternehmen - konkret geht es um verbesserte Regelungen für Abschreibungen, damit Unternehmen mehr investieren.
Wenn dieser «Investitions-Booster» ausgelaufen ist, soll ab 2028 schrittweise die Körperschaftsteuer sinken - und zwar von derzeit 15 Prozent auf 10 Prozent im Jahr 2032. Das soll die Liquidität in den Unternehmen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.
Angesichts der anhaltenden Wachstumsschwäche fordert CSU-Chef Markus Söder nun ein sofortiges Vorziehen der Reform rückwirkend ab dem 1. Januar 2026. In einer internen Sitzung bezifferte Söder dem Vernehmen nach hierfür die Kosten auf 4,6 Milliarden Euro.
Auch der CDU-Vorstand um Kanzler Friedrich Merz will sich bei seiner Klausur in Mainz am Freitag und Samstag unter anderem für ein Vorziehen der Reduzierung der Körperschaftsteuer starkmachen. Das geht es aus dem Entwurf für eine «Mainzer Erklärung» hervor, die bei dem Treffen beschlossen werden soll und der dpa vorliegt. Anders als die CSU nennt die CDU kein konkretes Datum. Voraussetzung für das Vorziehen der Steuersenkung sei, dass die Haushaltssituation von Bund und Ländern es zulässt. In der Finanzplanung klaffen aber Milliardenlücken.
Kritik von SPD-Fraktionsvize Esdar an Söder
Aus der SPD kam Kritik an der Forderung von Söder. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wiebke Esdar sagte, die Koalition habe sich vorgenommen, die anstehenden Herausforderungen gemeinsam und zielorientiert anzugehen. «So auch die Frage, wie die sehr große Haushaltslücke in der Finanzplanung gerecht geschlossen werden kann.» Seit Wochen liefen dazu gute und vertrauliche Gespräche hinter den Kulissen.