Attentäter war Salafist und schon in der Schule auffällig
Autor: Andreas Rabenstein und Stefan Kruse, dpa
, Mittwoch, 29. Juli 2026
Der islamistische Terrorist Abdul B. zeigte schon als Schüler auffälliges Verhalten. Wie Behörden auf seine Radikalisierung reagierten und warum er trotzdem nicht gestoppt wurde.
Der islamistische Attentäter von Berlin, Abdul B., hat sich offensichtlich schon jahrelang radikalisiert. Seit 2021 sei bei ihm ein zunehmender Prozess der Radikalisierung festzustellen gewesen, sagte Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.
Dem Berliner Verfassungsschutz war Abdul B. demnach seit November 2021 bekannt. Seitdem habe er sich in der salafistischen Szene bewegt, sagte Spranger. Er habe hier zeitweise einer Gruppe angehört, die missionierend unterwegs gewesen sei - ihr ging es also um Anwerbung weiterer Anhänger. Bei der Polizei fiel Abdul B. demnach seit 2019 mit Delikten wie Körperverletzungen, Betrug, Raub und Beleidigungen auf.
Viele Islamisten in Berlin
Auf die Frage nach der Anzahl der ähnlich gefährlichen Islamisten, die Kontakte zum IS hätten und in die Kategorie «Hochrisikofall» gehören, sprach Spranger von einer einstelligen Zahl. Insgesamt gebe es laut Verfassungsschutz 2.590 Islamisten in Berlin, sagte Spranger. 1.250 Menschen gehörten zur salafistischen Szene. Davon seien 350 gewaltorientiert. «Es gibt weiterhin eine hohe Gefährdungslage im Bereich des islamistischen Terrorismus», stellte die Senatorin fest. «Wir wissen alle, dass wir solche Ereignisse nicht mit absoluter Sicherheit verhindern können.»
Auch Spranger plädierte für eine bessere Überwachung von Gefährdern durch eine elektronische Fußfessel. Bei Personen, deren Fälle im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum behandelt würden, könnte automatisch ein entsprechender Antrag bei Gericht gestellt werden. «Dann gibt es eine klare Maßnahme des Gesetzgebers.»
Opposition: weiterhin zahlreiche offene Fragen
Die Oppositionsfraktionen von Grünen, Linke und AfD kritisierten, trotz einer stundenlangen Befragung seien viele Fragen noch offen. Man wisse von Senat und Polizei immer noch nicht viel mehr, als das, was Medien schon berichtet hätten. Die Frage sei, warum der Anschlag nicht verhindert wurde.
Bei dem Terroranschlag am Samstag am Rande des Christopher Street Days (CSD) hatte der 21-jährige Attentäter mit einem Auto mehrere Menschen angefahren, bevor er - vermutlich mit einer Machete - weitere Menschen verletzte. Eine Frau starb, 31 Menschen wurden verletzt, 7 davon schwer. Der Islamist wurde am Sonntagabend von Polizisten erschossen.