CSD-Anschlag: Innensenatorin und Polizei beantworten Fragen
Autor: dpa
, Mittwoch, 29. Juli 2026
Nach dem CSD-Anschlag gibt es noch viele Unklarheiten. Der Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses kommt daher zu einer Sondersitzung zusammen. Außerdem rückt das Thema Prävention in den Fokus.
Vier Tage nach dem islamistischen Terroranschlag am Rande des Berliner Christopher Street Day (CSD) sind viele Fragen zum Täter und zu seinem Motiv weiter offen. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik sollen deswegen dem Abgeordnetenhaus Bericht erstatten. Dazu kommt der Innenausschuss des Landesparlaments zu einer Sondersitzung zusammen. Spranger und Slowik müssen über die Maßnahmen der Polizei vor und nach dem Anschlag Auskunft geben und auf Fragen der Abgeordneten antworten.
In der politischen Debatte über den Anschlag rückt die Prävention in den Fokus. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Radikalisierung verhindern lässt. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) stellt den Ländern dafür mehr Geld in Aussicht.
In der Sondersitzung des Berliner Innenausschusses dürfte es unter anderem darum gehen, ob beim Umgang mit dem polizeibekannten Islamisten und bei seiner Überwachung Fehler gemacht wurden. Am Montag hatten Medien darüber berichtet, dass Abdul B. (21) vor der Tat vom Landeskriminalamt (LKA) beobachtet wurde. Die Kriminalpolizei überwachte ihn und eine gegenüber seinem Wohnhaus installierte Kamera filmte ihn auch kurz vor der Tat, wie «Süddeutsche Zeitung» (SZ) und die Sender NDR und WDR berichteten. Sein Verhalten soll aber nicht darauf hingedeutet haben, dass er einen konkreten Anschlag plante.
Bekennervideo mit Treueschwur auf IS
Bei dem Terroranschlag am Samstag am Rande des CSD fuhr Abdul B. nach derzeitigen Erkenntnissen mit einem Auto mehrere Menschen an. Danach soll er vermutlich mit einer Machete weitere Menschen verletzt haben. Eine Frau wurde getötet und 31 Menschen teils schwer verletzt. Abdul B. wurde am Sonntagabend von Polizisten, die ihn gestellt hatten, erschossen.
Inzwischen wurde bekannt, dass die Polizei auf dem Handy des Attentäters ein islamistisches Bekennervideo fand. In dem Video sei zu sehen, wie «eine vermummte Person, vermutlich eben der Tatverdächtige» einen Treueschwur auf die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) leiste, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Ines Peterson, im ZDF. Laut «Spiegel» spricht der Mann in dem Video auf Arabisch. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bestätigte das Auffinden des Videos und weiteren Datenmaterials.
Radikalisierung verhindern – Prien stellt Geld in Aussicht
Bundesfamilienministerin Prien stellte den Ländern vor dem Hintergrund des CSD-Anschlags mehr Geld für Angebote gegen Radikalisierung in Aussicht. Konkret geht es um fünf Millionen Euro aus dem Förderprogramm «Demokratie leben!», die bisher nicht dafür vorgesehen waren. «Ich könnte mir sehr gut vorstellen, diesen Betrag einzusetzen», sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.
«Für mich ist dieser erschütternde Anschlag Anlass, um die Ausrichtung von "Demokratie leben!" bei der Extremismusprävention nachzuschärfen und dabei das Thema Deradikalisierung in den Fokus zu nehmen.» Dabei will sich Prien mit den Ländern und mit Verbänden beraten, auch mit den muslimischen Gemeinschaften.