Commerzbank mit Rekordgewinn in die Arme der Italiener
Autor: Jörn Bender, dpa und Steffen Weyer, dpa-AFX
, Donnerstag, 05. November 2026
Die Commerzbank bleibt auf Kurs Richtung Rekordjahr. Doch im Vordergrund steht die von der Unicredit betriebene Übernahme des Dax-Konzerns. Wie geht es weiter für den Vorstand um Bettina Orlopp?
Die Commerzbank bleibt auf Rekordkurs und hat in den ersten neun Monaten 2026 mehr Gewinn gemacht als im gesamten Vorjahr. «Die starke Geschäftsentwicklung belegt, welches Potenzial in der Commerzbank steckt», bilanzierte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp.
Seit Monaten hat der Dax-Konzern mit der italienischen Unicredit de facto einen Kontrollaktionär, der auf eine Übernahme zusteuert. Die Frankfurter bereiten sich auf die nächste Phase vor: «Die Vorbereitungsarbeiten für die Konsolidierung haben begonnen», heißt es in einer Präsentation.
Orlopp, die sich fast zwei Jahre gegen die Übernahme gewehrt hat, sagt inzwischen: «Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit Unicredit Wert schaffen können, indem wir die Stärken beider Banken konsequent nutzen.» In einer Telefonkonferenz bekräftigte sie: «Ich bin zuversichtlich, dass innerhalb der Unicredit-Gruppe zusätzliche Gewinne erzielt werden können.»
Potenzial sehe die Commerzbank «etwa im Einkauf, bei IT-Themen wie Cybersecurity und KI, im Vertrieb und bei gemeinsamen Produktplattformen», sagte die Managerin in einem Video im Intranet der Bank. «Für unsere Kundinnen und Kunden ändert sich im Tagesgeschäft erst mal nichts.»
Rekordgewinn nach neun Monaten
Die Geschäfte der zweitgrößten börsennotierten Bank Deutschlands liefen auch im dritten Quartal gut: 859 Millionen Euro Gewinn waren gut 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In den ersten neun Monaten kletterte der Überschuss um mehr als 40 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro. Das ist das beste Ergebnis für diesen Zeitraum in der Konzerngeschichte. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand weiterhin einen Rekordgewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro an. 2025 hatte die Bank wegen hoher Kosten für Stellenabbau mit gut 2,6 Milliarden Euro den Rekord von 2024 (knapp 2,7 Mrd Euro) knapp verfehlt.
Unicredit treibt Übernahme voran
Die Unicredit hat sich den Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile gesichert. Die Großbank, die in Deutschland schon mit der Hypovereinsbank (HVB) vertreten ist, sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen. Unicredit-Chef Andrea Orcel will etwa das Auslandsnetz der Commerzbank beschneiden.
Die Commerzbank selbst drückt die Kosten. Im Februar 2025 hatte sie den Abbau von 3.900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 angekündigt. Im Mai 2026 folgte ein weiteres Sparprogramm: Bis 2030 sollen zusätzlich konzernweit etwa 3.000 weitere Vollzeitstellen wegfallen.