Commerzbank kontert Unicredit: Stellenabbau und Rekordgewinn
Autor: Jörn Bender, dpa und Steffen Weyer, dpa-AFX
, Freitag, 08. Mai 2026
Kosten runter, Gewinne rauf: Die Commerzbank will beweisen, dass sie alleine profitabler ist als unter dem Dach der Unicredit. Kann der Dax-Konzern die feindliche Übernahme abwenden?
Die Commerzbank will mit einem weiteren Stellenabbau und steigenden Gewinnen Investoren von ihrer eigenständigen Zukunft überzeugen und eine feindliche Übernahme durch die Unicredit abwenden. Bis 2030 werden konzernweit etwa 3.000 weitere Vollzeitstellen gestrichen, wie der Dax-Konzern in Frankfurt mitteilte.
Die Pläne der Unicredit würden zu einem weitaus größeren Stellenabbau führen, argumentiert die Commerzbank in einer ersten ausführlicheren Bewertung des zu Wochenbeginn veröffentlichten Kaufangebots der italienischen Großbank. Das Institut mit Sitz in Mailand, das knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile kontrolliert, will sich bis 16. Juni per Tausch weitere Anteile sichern und hat für den Fall einer Übernahme einen Umbauplan vorgelegt.
Bester Jahresstart seit 2011
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp, die sich mit ihrem Team seit mittlerweile mehr als eineinhalb Jahren gegen eine Übernahme stemmt, sieht sich durch den besten Jahresstart seit 2011 in ihrem Kurs bestätigt: «Wir sind mit Ergebnissen auf Rekordniveau ins Jahr gestartet. Das beweist: Unsere Strategie funktioniert – und hat mehr Potenzial als ursprünglich geplant.» Daran müsse sich jede Alternative messen lassen. «Die Pläne der Unicredit überstehen den Realitätscheck nicht», sagte Orlopp in einer Telefonkonferenz.
Im ersten Quartal 2026 schnitt die Commerzbank besser ab als ein Jahr zuvor. Mit rund 1,36 Milliarden operativem Ergebnis und einem Überschuss von 913 Millionen Euro übertraf das Frankfurter Geldhaus das Vorjahresquartal jeweils etwa um etwa zehn Prozent und erzielte auch mehr als von Analysten erwartet.
Gewinne sollen stetig steigen
Für 2026 erwartet die Commerzbank im Rahmen ihrer überarbeiteten Strategie («Momentum 2030») mehr Gewinn als bisher: Sie peilt nun einen Überschuss von mindestens 3,4 Milliarden Euro an und damit 200 Millionen Euro mehr als bislang. Bis 2028 soll das Ergebnis stärker als zuvor geplant auf 4,6 Milliarden steigen, 2030 sollen 5,9 Milliarden Euro unter dem Strich stehen.
Im Gesamtjahr 2025 hatte die Bank trotz hoher Kosten für einen bereits laufenden Stellenabbau mit gut 2,6 Milliarden Euro unter dem Strich den Rekordgewinn von 2024 (knapp 2,7 Mrd Euro) nur knapp verfehlt.
Unicredit macht Druck
Unicredit-Chef Andrea Orcel wirbt seit dem Einstieg bei der Commerzbank im September 2024 für eine Übernahme und hatte jüngst öffentlich eine aus seiner Sicht seit Jahren «unterdurchschnittliche operative Leistung» der Commerzbank kritisiert. Ohne Neuausrichtung sei mittelfristig das Überleben des Instituts gefährdet. Die Unicredit, die in Deutschland mit der Hypovereinsbank (HVB) aktiv ist, präsentierte ein Umbauprogramm für den Fall einer Commerzbank-Übernahme, demzufolge in Deutschland etwa 7.000 Vollzeitstellen gestrichen würden.