AfD bestätigt Führungsduo – Chrupalla verliert an Rückhalt
Autor: Stefan Hantzschmann, Anne-Beatrice Clasmann und Jörg Ratzsch, dpa
, Samstag, 04. Juli 2026
Die AfD hat ihr Spitzenduo Weidel-Chrupalla wiedergewählt. Chrupalla muss allerdings Federn lassen. In der zweiten Reihe gibt es neue Gesichter. Vom Protest vor der Halle sehen die Delegierten wenig.
Viel Pathos, wenig Streit und ein kleiner Dämpfer für den Co-Vorsitzenden: Bei einem von lauten Protesten begleiteten Bundesparteitag bestätigen AfD-Delegierte die Co-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla im Amt. Gegenkandidaten gibt es nicht. Weidel erhält 81,3 Prozent und kann sich damit minimal verbessern im Vergleich zur Wahl vor zwei Jahren. Chrupalla schneidet mit rund 70 Prozent deutlich schwächer ab als 2024. Damals erhielt er 83 Prozent Zustimmung. Hinterher sagt er, immerhin hätten ihm mehr als zwei Drittel der Delegierten ihre Stimme gegeben.
Kaum inhaltlicher Streit
Größere Kontroversen bleiben aus - womöglich auch um den Wahlkämpfern keine Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Ein Antrag zur Überarbeitung der Unvereinbarkeitsliste der AfD wird inhaltlich nicht diskutiert. Die Co-Vorsitzende Weidel schlägt stattdessen vor, der neue Parteivorstand solle die Liste überarbeiten. Die verhindert bislang, dass ehemalige Mitglieder extremistischer Gruppierungen in die AfD aufgenommen werden. «Der Bundesvorstand hätte das schon längst machen müssen», sagt Weidel. Daraufhin ziehen Delegierte, zu denen der Thüringer Landesvorsitzende Björn Höcke zählt, den Antrag zurück.
Der 51 Jahre alte sächsische Malermeister Chrupalla und die 47 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftlerin Weidel führen die AfD seit Sommer 2022 gemeinsam. Weidel hat sich zur prominenten AfD-Führungsfigur entwickelt. Chrupalla steht schon seit November 2019 an der Spitze der AfD und ist damit der inzwischen dienstälteste Chef der AfD seit ihrer Gründung 2013.
Weidel spricht von einem «Superwahljahr» 2026 für die AfD. Immer wieder brandet Applaus auf, wenn die wahlkämpfenden Spitzenkandidaten in den Reden genannt werden. In Sachsen-Anhalt wird am 6. September ein neuer Landtag gewählt, in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am 20. September. In Sachsen-Anhalt steht die AfD seit Monaten in Umfragen auf Platz eins und rückt mit Werten jenseits der 40-Prozent-Marke an die Möglichkeit heran, eine absolute Mehrheit zu erreichen. Die Partei wird vom Verfassungsschutz unter anderem in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.
Höcke bietet Therapie an
Höcke sagt, die AfD müsse heilen. «Wir müssen einen Teil der Nation auf die Couch legen und therapieren. Es geht darum, Deutschland wieder mit sich selbst zu befreunden. Wir müssen unsere Identität wieder gewinnen.»
Drei neue Vize
Die zweite Reihe des Bundesvorstandes wird von den rund 600 Delegierten komplett ausgetauscht.
- Mit Stefan Möller wird ein Vertrauter von Höcke zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt. Er erhält 76,54 Prozent. Der Thüringer AfD-Co-Chef Möller nennt Höcke in seiner Rede einen Weggefährten und Freund, weist aber Darstellungen zurück, er sei von ihm ferngesteuert.
- Neu auf dem Vize-Posten ist zudem Katrin Ebner-Steiner. Die Co-Vorsitzende der bayerischen AfD-Landtagsfraktion sagt, man wolle Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) «aus der Staatskanzlei jagen». Sie tritt ohne Gegenkandidaten an und erhält knapp 56 Prozent.
- Auf den dritten Vize-Posten wählen die Delegierten Sven Tritschler aus Nordrhein-Westfalen, der die AfD «an der Schwelle zur Macht» sieht. Er erhält 50,7 Prozent und setzte sich gegen Kay Gottschalk durch. Der Bundestagsabgeordnete versucht vergeblich, mit Parolen wie «Remigration löst viele Probleme» zu punkten.
- Neuer Bundesschatzmeister der AfD ist Hannes Gnauck. Der ehemalige Chef der inzwischen aufgelösten Jungen Alternative setzt sich einer Kampfkandidatur gegen den langjährigen Schatzmeister Carsten Hütter durch.