Merz als «Herr Merkel» und ein ungewöhnlicher Messe-Rundgang
Autor: den dpa-Korrespondenten
, Montag, 20. April 2026
Industrie warnt vor Dauerkrise, Kanzler Merz verspricht EU-Selbstbewusstsein und setzt auf Brasilien als «Schlüsselpartner». Doch der gemeinsame Rundgang mit Präsident Lula endet abrupt.
Es dauert nur wenige Minuten, dann gehen sie getrennte Wege: Bundeskanzler Friedrich Merz und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva teilen ihren Rundgang über die Hannover Messe auf – ausgerechnet bei einem Termin, der traditionell ein Bild enger Partnerschaft liefern soll.
Während Lula bei brasilianischen Ausstellern bleibt, zieht Merz weiter über das Gelände und schaut sich unter anderem Roboter und neue Technologien an. Der gemeinsame Rundgang ist damit praktisch beendet, bevor er richtig begonnen hat. Bei Polizei und Messe sorgt der ungewöhnliche Ablauf für Verwunderung. «Das haben wir noch nie erlebt», heißt es.
Kurz darauf folgt die nächste Irritation: Am Stand von Phoenix Contact, einem Unternehmen, das Elektronik und Elektromechanik herstellt, wird Merz mit seiner Vorgängerin verwechselt. «Recht herzlich willkommen, Herr Merkel, äh Herr Bundeskanzler Merz», sagt Geschäftsführer Dirk Görlitzer.
«Welt kann nicht mit Lügen regiert werden»
Noch kurz zuvor ist das Bild ein anderes: Merz und Lula demonstrieren Einigkeit. Am Stand des Partnerlandes Brasilien betont der Kanzler die Bedeutung des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und den südamerikanischen Mercosur-Staaten. «Das ist unsere Antwort auf die großen Verwerfungen, die wir gegenwärtig erleben», sagt er. Das Abkommen, mit dem eine Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Menschen entstehen soll, tritt am 1. Mai vorläufig in Kraft.
Auch Lula wirbt dafür, die Zusammenarbeit Europas und Lateinamerikas «immer produktiver, immer effektiver und immer besser» zu machen. Wie Merz verteidigt er die auf Regeln und internationalen Institutionen basierende Weltordnung. «Die Welt kann nicht mit Lügen regiert werden», sagt er.
Handel und Rohstoffe im Fokus
Später rückt die wirtschaftspolitische Zusammenarbeit in den Mittelpunkt. Bei den deutsch-brasilianischen Wirtschaftstagen wirbt Merz für einen deutlichen Ausbau der Handelsbeziehungen. Der bilaterale Handel solle «in den nächsten Jahren» verdoppelt werden, sagt der Kanzler.
Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern lag nach Angaben von Merz im Jahr 2024 bei mehr als 20 Milliarden Euro. Für Volkswirtschaften dieser Größe sei das «entschieden zu wenig». Das Mercosur-Abkommen soll das ändern.