Frei soll Spahn als Unionsfraktionschef ablösen
Autor: Michael Fischer und Marco Hadem, dpa
, Mittwoch, 22. Juli 2026
Viel Zeit haben CDU und CSU nicht verstreichen lassen. Nur wenige Tage nach dem Rücktritt von Jens Spahn ist klar, wer den mächtigen Posten des Unionsfraktionschefs im Bundestag übernehmen soll.
Der bisherige Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) soll Nachfolger des zurückgetretenen Jens Spahn (CDU) an der Spitze der Unionsbundestagsfraktion werden. Darauf verständigten sich die Chefs von CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Unionskreisen erfuhr. Dem Vernehmen nach war Frei von Anfang an der Wunschkandidat des Kanzlers für den mächtigen Posten im Bundestag.
Vorangegangen waren Gespräche in den Parteigremien der Union und mit der Führung der Bundestagsfraktion. Merz hatte nach Spahns Rückzug angekündigt, in Abstimmung mit der Schwesterpartei bald einen Personalvorschlag zu machen. Dass der Name aber nun schon so zeitig öffentlich wird, soll auch mit dem wachsenden Druck infolge der Spekulationen in den Medien wie auch der Unionsfraktion selbst geschuldet sein. Offiziell ins Amt kommt der Nachfolger erst durch Wahl in der Fraktion, die dafür am kommenden Mittwoch in Berlin zu einer Sondersitzung zusammenkommen soll.
Bis dahin soll dem Vernehmen nach die Nachfolge von Frei im Kanzleramt geregelt werden. Dafür sind eine ganze Reihe von Namen im Gespräch.
- An erster Stelle wurde in den vergangenen Tagen der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Günter Krings genannt. Ihn wollte Merz im vergangenen Jahr zum Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung machen. Der 56-Jährige scheiterte aber in einer Kampfabstimmung an der früheren CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Merz ist ihm also noch etwas schuldig.
- Es wurden auch Namen wie Hendrik Hoppenstedt oder Nathanael Liminski genannt. Hoppenstedt war in der letzten Legislaturperiode von Kanzlerin Angela Merkel von 2018 bis 2022 Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen im Kanzleramt, kennt sich also mit der Koordinierung von Regierungsschäften bestens aus. Das Problem: Er gilt als Merkelianer und ist deswegen auf den ersten Blick nicht unbedingt kompatibel mit Merz. Liminski ist die rechte Hand des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst und leitet die Staatskanzlei des bevölkerungsreichsten Bundeslandes. Er hat sich bis nach Berlin einen Namen als einer der talentiertesten Strippenzieher im politischen Betrieb gemacht. Dass er ein Wüst-Mann ist, muss nicht unbedingt ein Problem sein.
- Und dann gibt es noch die Variante, dass jemand aus dem Kabinett ins Kanzleramt rückt. Zum Beispiel Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die auch für den Fraktionsvorsitz im Gespräch war. Das würde dann aber eine größere Kabinettsumbildung bedeuten. Auch für sie müsste ein Nachfolger gefunden werden.
Zwei der wichtigsten Koalitionsposten werden neu besetzt
Bei der Personalrochade geht es um zwei der wichtigsten Posten im Koalitionsgefüge. Der Fraktionschef führt die 208 Abgeordneten, ohne die die Bundesregierung kaum eine wichtige Entscheidung durchsetzen kann. Neben dem Kanzler ist er daher der wichtigste Koalitionsakteur auf Unionsseite.
Der Kanzleramtschef ist der Koordinator der Regierungsarbeit auch im Zusammenspiel mit den Ländern. Frei hat auf diesem Posten nur schwer Fuß gefasst. Ihm wurde von einigen in der Union vorgeworfen, lieber Interviews zu geben, als die Koalitionsarbeit zu steuern. Beim Reformpaket übernahmen dann die Fraktionsspitzen selbst diese Aufgabe.
Nun kehrt Frei in die Gefilde zurück, die besser zu ihm passen, wie viele in der Union meinen. Er war in der vergangenen Legislaturperiode Parlamentarischer Geschäftsführer unter dem damaligen Fraktionschef und Oppositionsführer Merz und kennt die Arbeit an der Spitze der Unionsabgeordneten bestens.