Merz und Söder schlagen Frei als Spahn-Nachfolger vor
Autor: Michael Fischer und Marco Hadem, dpa
, Mittwoch, 22. Juli 2026
Vier Tage hat es gedauert. Jetzt steht fest, wer dem zurückgetretenen Jens Spahn nachfolgen soll. Daraus ergibt sich aber die nächste offene Personalfrage, die erst später beantwortet werden soll.
Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) soll Nachfolger des zurückgetretenen Jens Spahn (CDU) an der Spitze der Unionsbundestagsfraktion werden. Die Vorsitzenden von CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, schlugen den 52-Jährigen in einer Video-Konferenz des Fraktionsvorstands vor. Anschließend wurden per SMS alle 208 Abgeordneten informiert. Die werden nächste Woche Mittwoch in einer Sondersitzung entscheiden. Die Nachfolge Freis im Kanzleramt soll erst später bekanntgegeben werden, hieß es aus Regierungskreisen.
Merz begründete die Personalentscheidung damit, dass Frei maßgeblichen Anteil am bisherigen Erfolg der Regierungsarbeit und der Stabilität der Koalition habe. «Die Reform-Erfolge der letzten Wochen sind auch sein Verdienst.» Frei komme aus der Mitte der Fraktion und werde dort «für das perfekte Zusammenspiel zwischen Parlament, Koalitionspartner und Bundesregierung sorgen».
Söder unterstützte den Vorschlag des Kanzlers. Frei werde ein guter Vorsitzender der gemeinsamen Bundestagsfraktion werden. «Schon als Kanzleramtsminister oder früher als Parlamentarischer
Geschäftsführer haben wir mit ihm gut zusammengearbeitet.»
Merz will zügig über Nachfolge von Frei entscheiden
Die Nachfolgeregelung fürs Kanzleramt wurde noch nicht bekanntgegeben. Der Respekt vor der Fraktion und dem wichtigen Amt des Vorsitzenden verlange es, dass die Aufmerksamkeit jetzt allein dieser Personalie gelte, hieß es aus Regierungskreisen. «Eine Nachfolge für das Amt des Kanzleramtsministers wird getrennt davon behandelt. Der Bundeskanzler wird zügig über eine Nachfolge für das Amt des Kanzleramtsministers entscheiden und diese Entscheidung bekannt geben.»
Für den Posten sind eine ganze Reihe von Namen im Gespräch.
- Als Favoritin wird inzwischen Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) gehandelt, die auch für den Fraktionsvorsitz im Gespräch war. Sie zählt zu den erfolgreicheren Kabinettsmitgliedern, hat gerade die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung über die Bühne gebracht. Mit der Entscheidung für eine Frau würde Merz auch den Vorwurf ausräumen, das Kanzleramt sei ein reiner Männerverein. Seine wichtigsten Berater sind alles Männer. Damit gäbe es aber eine weitere Vakanz, die gefüllt werden müsste. Als Kandidat für den Posten des Gesundheitsministers ist CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Gespräch.
- In den ersten Tagen nach dem Rücktritt Spahns wurde noch an erster Stelle der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Günter Krings genannt. Ihn wollte Merz im vergangenen Jahr zum Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung machen. Der 56-Jährige scheiterte aber in einer Kampfabstimmung an der früheren CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Er gilt aber inzwischen als eher unwahrscheinlich.
- Es wurden auch Namen wie Hendrik Hoppenstedt oder Nathanael Liminski genannt. Hoppenstedt war in der letzten Legislaturperiode von Kanzlerin Angela Merkel von 2018 bis 2022 Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen im Kanzleramt, kennt sich also mit der Koordinierung von Regierungsschäften bestens aus. Das Problem: Er gilt als Merkelianer und ist deswegen auf den ersten Blick nicht unbedingt kompatibel mit Merz. Liminski ist die rechte Hand des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst und leitet die Staatskanzlei des bevölkerungsreichsten Bundeslandes. Er hat sich bis nach Berlin einen Namen als einer der talentiertesten Strippenzieher im politischen Betrieb gemacht. Dass er ein Wüst-Mann ist, muss nicht unbedingt ein Problem sein.
Wann Merz seine Entscheidung verkünden wird, ist noch offen. Es gilt aber als sicher, dass es für die notwendige Vereidigung keine Sondersitzung des Bundestags in der Sommerpause geben wird. Die dürfte dann erst in der ersten Sitzungswoche des Bundestags ab dem 1. September stattfinden.