CDU zwischen Linke und AfD - komplizierter Weg zur Mehrheit
Autor: Christopher Kissmann, Michael Fischer und Sebastian Kunigkeit-Will, dpa
, Freitag, 04. Sept. 2026
Mit Hilfe der Linken regieren oder die AfD machen lassen: Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt könnte die CDU vor diesen beiden Optionen stehen. Die Diskussion über den richtigen Weg geht jetzt schon los.
Es ist eine Debatte, die für Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) zur Unzeit kommt - nur wenige Stunden vor der Wahl spricht ein einflussreicher CDU-Politiker aus, was einige bei den Christdemokraten bisher nur im kleinen Kreis geäußert haben: Falls das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt so ausfällt wie die Umfragen, sieht der stellvertretende Unionsfraktionschef Sepp Müller den Auftrag zur Regierungsbildung bei der AfD.
«Sollten die Umfrageergebnisse Wahlergebnisse werden, dann hat Ulrich Siegmund mit der AfD einen Regierungsbildungsauftrag», sagte der Bundestagsabgeordnete Müller im «Politico»-Podcast «Berlin Playbook». «Der liegt dann bei ihm, was ich persönlich sehr bedauern würde für unser Land, weil Sven Schulze eine gute Arbeit macht. Aber dann liegt der Regierungsbildungsauftrag bei der AfD.»
Es ist üblich, dass die Partei mit den meisten Stimmen einen Regierungsauftrag für sich reklamiert und versucht, eine Koalition zu bilden - das heißt aber nicht, dass sie in jedem Fall eine Mehrheit organisieren und eine Regierung bilden kann. Doch was bedeuten Müllers Aussagen so kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt?
Die Ausgangssituation vor der Wahl
Mit Werten um die Marke von 40 Prozent liegt die Partei von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bis zu 20 Prozentpunkte vor der CDU. Alles sieht also danach aus, dass die AfD die Wahl am Sonntag gewinnt. Es ist aber unklar, ob es für die absolute Mehrheit reicht. Nach den jüngsten Umfragen sieht es nicht danach aus.
Andererseits gilt es als sehr unwahrscheinlich, dass das Wunsch-Szenario von Schulze eintritt: Eine Mehrheit für die sogenannten Parteien der Mitte - etwa für CDU, SPD und Grüne. Sie sind seit Anfang des Jahres in keiner Umfrage über 37 Prozent gekommen.
Am wahrscheinlichsten ist derzeit: keine absolute Mehrheit für die AfD und keine Mehrheit jenseits der AfD ohne die Linke.
Drei Lager in der CDU
Für den Fall, dass dieses Szenario eintritt, gibt es in der sachsen-anhaltischen CDU drei größere Lager.