Merz und Macron uneins: Was stabilisiert Europas Wirtschaft?
Autor: Katharina Redanz, Valeria Nickel, Niklas Treppner und Ann-Kristin Wenzel, dpa
, Donnerstag, 12. Februar 2026
Weniger Bürokratie, mehr Investitionen, aber Streit um Finanzierung: Nicht in allen Punkten sind sich die europäischen Spitzenpolitiker nach einem Treffen zur Wettbewerbsfähigkeit Europas einig.
Trotz Bemühungen um Einigkeit bei der Wiederbelebung von Europas Wirtschaft bleiben Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschland und Frankreich bestehen. Nach einem Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs zu Wegen aus der Krise schloss Bundeskanzler Friedrich Merz von Paris geforderte gemeinsame Schulden weiter klar aus. «Ich will das nicht», sagte Merz. Der französische Präsident Emmanuel Macron hingegen beharrte auf öffentlicher Finanzierung, um Investitionen in die Wirtschaft anzukurbeln.
Bei dem Treffen von 27 Staats- und Regierungschefs der EU in einem Wasserschloss im flämischen Teil Belgiens ging es darum, die europäische Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen. Sie ächzt angesichts von Bürokratie, Hürden im Binnenmarkt, hohen Energiepreisen und Konkurrenz vor allem aus China und den USA.
Schon vorher stand fest, dass Merz und Macron dabei andere Wege verfolgen. Nach wohl bewusst gesetzten Signalen der Einigkeit - etwa durch einen gemeinsamen Auftritt vor Kameras zu Beginn des Treffens - verließen beide das Schloss nahe dem niederländischen Maastricht aber auch mit unterschiedlichen Auffassungen.
Knackpunkt gemeinsame Schulden
Nach dem informellen Gipfel betonte Merz, dass es ihm nicht möglich sei, einer Finanzierung von Vorhaben der Europäischen Union etwa über sogenannte Eurobonds zuzustimmen. Selbst wenn er wollte, könnte er es nicht - «denn das Bundesverfassungsgericht hat der deutschen Bundesregierung hier sehr klare Grenzen aufgezeigt».
Macron dagegen schloss eine gemeinsame Schuldenaufnahme in der EU für Innovationen weiterhin nicht aus. «Wir brauchen mehr öffentliche Ausgaben», sagte er. Es müssten nur die Ziele klar definiert werden, so der französische Staatschef. Es gebe kein Tabu bei dem Thema.
Das Thema Finanzierung habe die Diskussionen der Staats- und Regierungschefs laut dem Bundeskanzler aber nicht beherrscht: «Es hat heute nur am Rande eine kleine Rolle gespielt», sagte Merz. Stattdessen solle das Thema beim nächsten regulären EU-Gipfel Ende März auf der Tagesordnung stehen.
Europäische Produkte bevorzugen?
Bei Macrons Forderung nach einer breiten «Buy European»-Regel, um so bei öffentlichen Ausschreibungen europäische Produkte zu bevorzugen, zeigt sich Merz weiterhin zurückhaltend. In Belgien machte der CDU-Politiker deutlich, er wolle nicht, dass die Europäische Union in eine Phase des Protektionismus eintrete. «Wir sind uns aber auch einig, dass wir uns gegen unfaire Handelspraktiken schützen müssen», so Merz.