Langer Weg zum Wirtschafts-Comeback - Reiche senkt Prognose
Autor: Andreas Hoenig, dpa
, Mittwoch, 28. Januar 2026
Auch in diesem Jahr geht es nicht richtig bergauf mit der Wirtschaft. Das Wachstum wird getrieben vor allem von staatlichen, schuldenfinanzierten Ausgaben.
Die deutsche Wirtschaft kommt nur langsam wieder in Fahrt - ein spürbarer Aufschwung ist nicht in Sicht. Die Bundesregierung erwartet in diesem Jahr lediglich ein geringes Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent, wie Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts sagte. Im vergangenen Herbst hatte Reiche noch mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,3 Prozent gerechnet.
Die Ministerin sagte aber, es zeichne sich für dieses und das nächste Jahr eine konjunkturelle Belebung ab. Diese müsse aber dringend unterfüttert werden. Das «Reformfenster», das die Bundesregierung habe, müsse entschlossen und mutig genutzt werden.
Lange Stagnation
2025 schrammte Deutschland nur knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum vorbei, es gab ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. Deutschland hinkt damit anderen großen Industrienationen hinterher. Auch die «Wirtschaftsweisen» rechnen für 2026 mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. In der Krise stecken vor allem Industriebranchen.
Die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Tanja Gönner, sagte: «Die erwartete wirtschaftliche Erholung ist gering und bleibt brüchig.» DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov fügte hinzu: «Deutschland wächst, aber viel zu langsam.» Ein Mini-Plus der Wirtschaft 2026 sei ein ernüchterndes Signal und weit von dem entfernt, was der Standort leisten könne.
Mehr Tempo bei Umsetzung von Investitionen
Ein Grund für die eingetrübten Erwartungen ist laut Regierung, dass die Erholung im zweiten Halbjahr 2025 schwächer ausfiel als erwartet. Der Start ins neue Jahr war damit schwieriger. Zudem wirken Milliarden-Ausgaben des Staates zur Modernisierung der Infrastruktur, für Klimaschutz sowie für eine Stärkung der Bundeswehr langsamer als erhofft. Bei der Umsetzung der staatlichen Investitionen sei mehr Tempo notwendig, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD).
Die schuldenfinanzierten Sondervermögen sind wesentlicher Treiber des Wirtschaftswachstums. Laut Regierung dürften die staatlichen Investitionen rund zwei Drittelprozentpunkte zum BIP-Zuwachs 2026 beitragen. Davon soll etwa die Bauindustrie und die Rüstungsindustrie profitieren. Damit die Mittel schnell eingesetzt werden, sollen Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Gesetzesänderungen sind aber noch nicht beschlossen. Demgegenüber kommen private Investitionen vor allem von Unternehmen nicht in Schwung.
Reiche sagte, die Schulden seien dann gerechtfertigt, wenn die Investitionen zusätzlich erfolgten. Allerdings gibt es breite Kritik daran, dass die Regierung mit den Sondervermögen Löcher im Kernhaushalt stopft.