Bundesregierung halbiert wegen Iran-Krieg Konjunkturprognose
Autor: Andreas Hoenig, dpa
, Mittwoch, 22. April 2026
Die Folgen des Iran-Kriegs bremsen die Konjunktur in Deutschland immer mehr aus. Auch die Bundesregierung senkt ihre Prognose.
Die massiven Auswirkungen des Iran-Kriegs drohen zu einer immer größeren Belastung für die deutsche Wirtschaft zu werden. Die Bundesregierung halbierte ihre Konjunkturprognose und erwartet in diesem Jahr nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent. Im Januar hatte sie noch mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet. Die Eskalation im Nahen Osten habe Deutschland wie auch andere Länder wirtschaftlich zurückgeworfen, sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in Berlin.
Die Aussicht auf wirtschaftliche Erholung sei sehr fragil. Der Krieg im Iran treibe die Preise für Energie und Rohstoffe in die Höhe, sagte Reiche. «Das belastet die privaten Haushalte und erhöht die Kosten für die deutsche Wirtschaft.»
Hohe Risiken
Für 2027 erwartet die Bundesregierung ein Wachstum um 0,9 Prozent. Allerdings hänge die weitere wirtschaftliche Entwicklung wesentlich von den Entwicklungen des Konfliktes im Nahen Osten ab und sei mit «erheblichen Ungewissheiten» verbunden. Reiche sagte, das Ministerium beschäftigte sich mit Szenarien, falls der Krieg länger andauert. Sie sehe aber keine Rezession in Deutschland
Helena Melnikov, Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Industrie- und Handelskammer, sagte: «Deutschlands Aufschwung ist nicht nur fragil, er ist akut gefährdet.»
«Schock» durch Iran-Krieg
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist es zu Preissprüngen bei Öl und Gas gekommen. Grund ist die faktische Blockade der für die weltweite Energieversorgung wichtigen Straße von Hormus. «Nicht nur die Energie- und die Rohstoffmärkte, sondern auch die Anleihemärkte haben reagiert», sagte Reiche. Die Renditen auf Staatsanleihen und Kredite seien gestiegen, das verteuere die Finanzierung von Investitionen und Konsum. «Der Schock traf die strukturell geschwächte deutsche Wirtschaft erneut heftig.»
Anfang April hatten führende Forschungsinstitute ihre Wachstumsprognose ebenfalls nach unten geschraubt auf ein Plus von nur noch 0,6 Prozent.
Versorgungsengpässe bei Treibstoffen wie Kerosin sieht Reiche derzeit nicht. Sie kündigte aber für den Fall eines Mangels bereits Gegenmaßnahmen an.