Länder stoppen Entlastungsprämie der Regierung
Autor: Ulrich Steinkohl, Michael Fischer, Basil Wegener und Jörg Ratzsch, dpa
, Freitag, 08. Mai 2026
Es läuft einfach nicht für die Bundesregierung. Zwei Tage nach ihrem ersten Geburtstag bescheren die Länder ihr einen weiteren Rückschlag. Die steuerfreie 1.000-Euro-Prämie steht vor dem Aus. Und nun?
Die geplante Prämie von bis zu 1.000 Euro zur Entlastung der Arbeitnehmer steht auf der Kippe. Der Bundesrat hat die Maßnahme zur Abfederung der wegen des Iran-Kriegs drastisch gestiegenen Energiepreise vorerst gestoppt. Für die ohnehin schon kriselnde Bundesregierung bedeutet die überraschende Ablehnung eine weitere bittere Schlappe nur zwei Tage nach ihrem einjährigen Jahrestag. Ob die Prämie nun überhaupt noch eine Chance hat, ist fraglich. Aufschluss darüber könnte ein Treffen der Koalitionsspitzen am Dienstag bringen.
Nur 15 von 69 Stimmen für die Prämie
Für die Prämie stimmten in der Länderkammer nur Hamburg, Bremen, Niedersachsen und das Saarland - alles SPD-geführte Länder mit zusammen 15 Stimmen. Die absolute Mehrheit, die für eine Zustimmung notwendig gewesen wäre, liegt bei 35. Fünf Länder mit zusammen 21 Stimmen sagten Nein zu dem Gesetz. Sieben Länder mit insgesamt 33 Stimmen enthielten sich.
Am Donnerstagabend hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) noch mit den Ministerpräsidenten der Union beim sogenannten Kamingespräch um eine Einigung gerungen. Zunächst war eine Vertagung der Abstimmung im Gespräch, dann ließ man das Thema doch auf der Tagesordnung.
Bundesregierung legt sich noch nicht fest
Die Bundesregierung wollte sich nach der Ablehnung im Bundesrat noch nicht auf das weitere Vorgehen festlegen. Die Regierung halte grundsätzlich an dem Plan fest, angesichts der gestiegenen Energiepreise eine weitere Entlastung für die Bürgerinnen und Bürger zu erzielen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer. «Über die weiteren Verfahrensschritte wird die Bundesregierung zeitnah entscheiden.» Es werde dazu «sicherlich auch weitere Gespräche mit den Ländern» geben.
Ob die Bundesregierung den Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern anrufen wird, um Nachverhandlungen zu ermöglichen, ließ Meyer offen. Er verwies darauf, dass auch die geplante Einkommensteuerreform Entlastungsmöglichkeiten biete. Sie soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Die Gespräche darüber in der Koalition sind aber noch ganz am Anfang.
Prämie war ein Ergebnis der Sitzung in der Villa Borsig
Die schwarz-rote Regierung hatte die Prämie Mitte April bei einer sehr konfrontativen Sitzung des Koalitionsausschusses in der Villa Borsig in Berlin beschlossen - als eine von zwei Maßnahmen neben einem Tankrabatt von 17 Cent, über den Bundeskanzler Merz zuletzt gesagt hatte: «Er funktioniert so leidlich.»
Die Sitzung in der Villa gilt inzwischen als Tiefpunkt der Koalition, weil der eigentliche Plan scheiterte, auch bei den anstehenden großen Reformprojekten zu Ergebnissen zu kommen. Der damals beschlossene Gesetzentwurf sieht vor, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten die nicht zu versteuernde Prämie in diesem Jahr und bis zum 30. Juni 2027 zahlen können. Zur Begründung heißt es, der Iran-Krieg habe massive wirtschaftliche Verwerfungen mit sich gebracht und werde für viele Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zunehmend zu einer großen Belastung.