Bürokratie: Wichtige Änderungen beim Personalausweis und Reisepass geplant
Autor: Agentur dpa, Redaktion
Deutschland, Mittwoch, 03. Juni 2026
Die Bundesregierung wünscht sich weniger Bürokratie. Geplant sind große Neuregelungen beim Personalausweis und beim Reisepass. Ziel ist eine digitale Brieftasche.
Deutschland soll moderner, schneller und handlungsfähiger werden: Für dieses Ziel haben Bund und Länder sich im Winter auf eine umfassende Liste von Maßnahmen zum Bürokratieabbau geeinigt – "eine 'Föderale Modernisierungsagenda'."
Das Bundeskabinett hat nun konkrete Änderungen auf den Weg gebracht und Maßnahmen aus dieser Liste, die das Leben vereinfachen sollen: Das Smartphone soll als Ausweis dienen, ältere Menschen müssen ihren Personalausweis nicht mehr erneuern, und beim Umzug muss der neue Wohnort im Reisepass nicht mehr nachgetragen werden.
Neue Personalausweis-Regelung: Ältere Menschen sollen entlastet werden
Laut Gesetzentwurf für alle, die zum Zeitpunkt der Beantragung ihres aktuellen Personalausweises 70 Jahre oder älter waren. Wenn also der Ausweis eines heute 80-Jährigen im nächsten Jahr abläuft, weil die üblichen zehn Jahre Gültigkeit vorbei sind, muss er diesen nicht mehr verlängern. Die neue Regelung soll in Kraft treten, nachdem Bundestag und Bundesrat sie beschlossen haben und sie im Bundesgesetzblatt verkündet ist. Das könnte noch einige Monate dauern. Ursprünglich war ein Inkrafttreten zum kommenden Jahreswechsel vorgesehen.
Im Gesetzentwurf wird die Maßnahme begründet: "Hintergrund ist, dass mit steigendem Lebensalter die Gebrauchssituationen zurückgehen und gegebenenfalls die Neubeantragung gleichzeitig einen großen individuellen Aufwand bedeutet." Kurz gesagt: Man möchte ältere Menschen nicht mit unnötigen Behördengängen belasten. Auch die Bürokratie würde entlastet. Es wird grob davon ausgegangen, dass etwa 285.000 Neuantragsfälle pro Jahr wegfallen könnten.
Es gibt jedoch auch Einschränkungen. Wer in der EU reist, wo der Personalausweis ausreicht, sollte sicherheitshalber immer einen aktuell gültigen Ausweis dabeihaben, wird empfohlen. Der alte Ausweis kann hauptsächlich für "alltägliche Gebrauchssituationen" in Deutschland genutzt werden, wie Polizeikontrollen oder beim Gang zum Wahllokal. Und: Wer den abgelaufenen Ausweis weiterverwenden will, kann ihn dann nur noch ohne die Online-Funktion nutzen. Die Dokumentensicherheit mit dem im Personalausweis eingebauten Chip und andere "technische Sicherheitsmerkmale" sowie die Verwendbarkeit im EU-Ausland könnten nicht unbegrenzt gewährleistet werden, heißt es dazu.
Digitale Brieftasche auf dem Handy: Das soll sich beim Reisepass ändern
Bisher ist es so, dass bei einem Umzug in eine andere Stadt oder ein anderes Dorf der im Pass vermerkte Wohnort entsprechend geändert werden muss. Das bedeutet entweder einen Gang zum Bürgeramt oder, wenn regional angeboten, einen Online-Antrag zur Änderung.
Das soll künftig nicht mehr nötig sein. Der alte Wohnort kann im Pass bleiben. Der Gesetzentwurf geht davon aus, dass rund 1,2 Millionen Ummeldungen wegfallen könnten mit einer geschätzten Zeitersparnis für Bürger von 20.300 Stunden.