Blockade am Golf – Wie der Krieg Reeder und Schiffe trifft
Autor: Lennart Stock, dpa
, Mittwoch, 18. März 2026
Tanker und Frachter stecken wegen des Iran-Kriegs am Persischen Golf fest. Gleichzeitig steigen Treibstoffpreise, Schiffsversicherungen werden teuer. Die Folgen bekommen nicht nur Reeder zu spüren.
Die Straße von Hormus, die Meerenge südlich des Irans, führt in den Persischen Golf – aus maritimer Sicht ist es zurzeit eine Sackgasse. Weil die wichtige Wasserstraße wegen des Kriegs und drohender iranischer Angriffe für den Schiffsverkehr praktisch gesperrt ist, liegen dort hunderte Tanker, Containerschiffe und Frachter fest. Für Reedereien und den Welthandel hat das weitreichende Folgen:
Wie viele Seeleute und Schiffe sind von dem Konflikt betroffen?
Rund 20.000 Seeleute, Kreuzfahrtpassagiere, Hafenarbeiter und Offshore-Besatzungen sind nach Angaben der International Maritime Organisation (IMO) (Stand: 17. März) in der Region betroffen. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) geht davon aus, dass darunter mindestens 1.000 Seeleute und mindestens 30 Schiffe von zehn Reedereien mit deutschem Bezug sind – etwa die Hälfte davon sind Containerschiffe. Der Verband verweist auch auf eine neuere Zählung der Deutschen Marine, demnach sollen es mehr als 50 Schiffe sein.
Wo genau die Containerschiffe, Tanker und Frachter liegen, ist unterschiedlich. Teils sind die Schiffe in der Nähe oder in Häfen anderer Golfstaaten. Andere Schiffe wiederum liegen auf Reede im Persischen Golf. Wo die Schiffe ankern, sei die individuelle Entscheidung der jeweiligen Reederei, heißt es vom VDR.
Gleichzeitig warten aber auch viele Schiffe, die eigentlich in den Golf einfahren wollten, auf eine Passage der gesperrten Seestraße. Rund 500 Schiffe sollen es sein, wie viele davon deutschen Reedereien angehören, ist nicht bekannt.
Wie ist die Situation für die Besatzungen?
Bislang wurden nach Daten der IMO 16 Handelsschiffe attackiert. Es gab Tote und Verletzte. Auch ein Containerschiff der größten deutschen Reederei Hapag-Lloyd wurde westlich der Straße von Hormus von einem Granatsplitter getroffen (12. März), wie die Reederei mitteilte.
Die Situation sei dramatisch, sagte der VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger am Wochenende im Deutschlandfunk. «Wir sind ja zivile Handelsschiffe, wir können uns nicht wehren. Wir werden mit Drohnen und Raketen beschossen und das ist natürlich eine ziemliche Katastrophe.»
Zeitgleich müssen sich die Besatzungen an Bord weiter um den Schiffsbetrieb kümmern. Handelsschiffe können nicht einfach wie ein Auto «abgestellt» werden, erklärt ein VDR-Sprecher. Auch wenn ein Schiff auf Reede liege, müssten die Maschinen betrieben werden.