Die katholische Kirche positioniert sich klar gegen AfD und den zunehmenden Antisemitismus. Was die Bischöfe in Fulda zum gesellschaftlichen Zusammenhalt fordern.
Die katholische Kirche in Deutschland will sich dem Zulauf für die AfD und dem wachsenden Antisemitismus in Deutschland entgegenstellen. Zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda warnte der DBK-Vorsitzende und Bischof von Münster, Heiner Wilmer, vor den Folgen einer Regierungsbeteiligung der AfD in Sachsen-Anhalt. Man stehe vor einem «Paradigmenwechsel», wenn die AfD Regierungsverantwortung übernehme, so Wilmer.
«Wir stärken allen den Rücken»
«Die AfD stellt die Grundwerte unseres Zusammenlebens infrage. Sie will ein anderes Deutschland», erklärte der Bischof. Er stellte sich vor dem Hintergrund der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zugleich demonstrativ hinter den Magdeburger Bischof Gerhard Feige und das Bistum Magdeburg. «Wir stärken allen den Rücken.»
Mit Blick auf Befürchtungen, im Falle einer AfD-geführten Landesregierung könnte etwa der Kirchensteuereinzug eingestellt werden, erklärte Wilmer: «Was ich heute sagen kann: Wir rechnen mit allem, wir stellen uns auch schon so ein, dass wenn große Erschütterungen kommen sollten, wir gewappnet sind.» Es könne nicht sein, dass ein Bistum das Nachsehen habe.
Es sei erschreckend, wenn 30 Prozent der Katholikinnen und Katholiken im Osten die AfD wählten, eine Partei, die dem christlichen Gottes- und Menschenbild diametral widerspreche und die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft sei.
Mit Menschen reden und ihnen zuhören
Der Auftrag der Kirche sei, mit den Menschen zu reden und ihnen Raum zum Zuhören zu geben. Ihre Antwort sei der Verweis auf die jüdisch-christliche Tradition, auf Menschenwürde, Nächstenliebe und demokratische Kultur.
«Wir alle gehören zusammen als Menschheitsfamilie», sagte Wilmer. Niemand könne sich alleine retten, weder Deutschland noch Europa. «Wir kommen nur gut durch die Fluten und vorbei an den Klippen, wenn wir im Sinne des Heiligen Vaters, Papst Leo, zusammenhalten und uns als große Familie betrachten.»
Wilmer räumte zugleich ein, dass es zurzeit keine Gesprächskanäle zu Spitzenvertretern oder Parlamentariern der AfD gebe. «Sie kommen nicht auf uns zu, und wir sind bisher auch nicht auf sie zugegangen.» Kontakte mit Spitzenvertretern seien schwierig, da sich die katholische Kirche nicht als Wahlhelfer habe betätigen wollen. «Und die anderen können wir nicht identifizieren, weil wir nicht genau wissen, wer hat welche Partei gewählt.»