Fast 1.900 Jobs in Gefahr: Biontech schließt Standorte
Autor: Bernd Glebe, dpa
, Dienstag, 05. Mai 2026
In der Corona-Pandemie wurden Milliarden mit dem Impfstoff verdient. Nun forscht Biontech an Krebsmedikamenten. Das kostet viel Geld und hat Folgen für Werke in Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen.
Der Impfstoffhersteller Biontech plant die Schließung mehrerer Produktionsstandorte. Das Mainzer Unternehmen begründete die Einschnitte mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kosteneinsparungen.
Betroffen von den Plänen seien die Produktionsstandorte in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie Standorte vom übernommenen Konkurrenten Curevac. Insgesamt bis zu 1.860 Stellen könnten von den Maßnahmen betroffen sein, kündigte das Management des Biopharma-Unternehmens an.
Einsparungen von bis zu 500 Millionen Euro
Geplant ist, die Standorte in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen bis Ende 2027 zu schließen. Der Betrieb in Singapur soll voraussichtlich im ersten Quartal 2027 eingestellt werden. Geplant sei ein partieller oder vollständiger Verkauf.
Das Biopharma-Unternehmen rechnet nach vollständiger Umsetzung der Maßnahmen im Jahr 2029 mit wiederkehrenden jährlichen Einsparungen von bis zu rund 500 Millionen Euro. Die Mittel sollen für die Forschung, Entwicklung und Markteinführung von Medikamenten gegen Krebs eingesetzt werden.
Betriebsräte und Gewerkschaft entsetzt: Kahlschlag
Die Betriebsräte der betroffenen Standorte sprachen nach der Bekanntgabe der geplanten Werkschließungen von inakzeptablen und verantwortungslosen Plänen des Managements. Die Arbeitnehmervertreter kündigten entschiedenen Widerstand der Beschäftigten an. Die Betriebsräte äußerten die Hoffnung, dass die angedrohte Stilllegung der Werke durch den Verkauf an einen Investor verhindert werden könnte.
Die Gewerkschaft IG BCE kritisierte «den geplanten Kahlschlag». Im Konzern hätten offenbar endgültig die Rechenschieber das Regiment übernommen, sagte der Leiter des Landesbezirks Rheinland-Pfalz-Saarland, Roland Strasser. «Aus kurzfristigem finanziellem Kalkül streichen sie radikal Produktionskapazitäten zusammen und schaden damit der Resilienz des Pharma- und Biotech-Standorts Deutschland.»
Nicht der erste Stellenabbau
Es ist nicht der erste Jobabbau bei Biontech. Nachdem das Unternehmen 2024 mit Millionen in die roten Zahlen gerutscht war, wurde ein Stellenabbau über drei Jahre bis Ende 2027 angekündigt. Es sollte 950 bis 1.350 Vollzeitäquivalente weniger in Europa und Nordamerika geben. Zum Zeitpunkt der Ankündigung kam das Biopharma-Unternehmen nach eigenen Angaben global auf etwa 7.200 Beschäftigte.