Bildungsstudie: Fortschritt im System - und einige Schwächen
Autor: Verena Schmitt-Roschmann und Jörg Ratzsch, dpa
, Dienstag, 29. Sept. 2026
Die OECD nimmt regelmäßig die Bildung in den Blick - auch in Deutschland. Erst kürzlich löste die Pisa-Studie einen Schock aus. Nun kommt eine positivere Botschaft. Wie passt beides zusammen?
Deutschland macht im Bildungssystem Fortschritte und ist teils im internationalen Vergleich sogar Klassenbester - und trotzdem fallen Ergebnisse in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften schwach aus. Diese widersprüchliche Botschaft steckt im neuen Bericht «Bildung auf einen Blick 2026» der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Bildungsministerin Karin Prien schließt daraus: «Wir sind nicht effektiv.» Die CDU-Politikerin pocht auf ihre schon angekündigten Reformen: Kinder früh fördern, Unterricht verbessern, Lesen als oberste Priorität.
Anfang September hatten die Ergebnisse der Bildungsstudie Pisa 2025 viele geschockt. In Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften wurden bei den in Deutschland getesteten 15-Jährigen «die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen erzielt», hieß es damals. Die jetzige OECD-Studie beleuchtet nicht Testergebnisse, sondern die Rahmenbedingungen für Bildung in Deutschland. Und die sind demnach gar nicht so schlecht.
Einige Beispiele aus der Studie:
34 Prozent der Studienabgänger, die vorher in Deutschland Abitur oder Fachabitur gemacht haben, schließen ein Mint-Fach wie Mathematik oder Naturwissenschaften ab. Das ist der höchste Anteil im OECD-Vergleich, wie es in der Studie heißt.
Inzwischen haben 41 Prozent der 25- bis 34-Jährigen einen Hochschul- oder einen höheren beruflichen Abschluss - 11 Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren.
96 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen in Deutschland besuchen Kindergärten - im Vergleich zu 90 Prozent im OECD-Durchschnitt. Statistisch betreut jede Fachkraft 7,5 Kinder, im Vergleich zu 9,4 im OECD-Schnitt.
In Deutschland fließen der OECD-Statistik zufolge aus öffentlichen und privaten Kassen für Bildungseinrichtungen vom Kindergarten bis zur Hochschule pro Schüler oder Studierenden jährlich 16.430 US-Dollar (rund 14.480 Euro). Das ist mehr als im OECD-Durchschnitt von 14.861 Dollar. Gemessen an der Wirtschaftsleistung BIP sind die Bildungsausgaben jedoch mit 4,4 Prozent geringer als der OECD-Durchschnitt von 4,7 Prozent.
«Gut vorangekommen»
Bildungsministerin Prien schließt aus den Zahlen grundsätzlich, «dass wir in Deutschland in vielen Bereichen gut vorangekommen sind». Zugleich mahnt die CDU-Politikerin, das «Zeitfenster» für Reformen auszunutzen, solange der Pisa-Schock noch im Gedächtnis ist. Prien wirbt seit längerem dafür, schon den Kindergarten als Bildungsort zu gestalten und die Kleinen auf den Übergang zur Schule vorzubereiten. Mit ihrem neuen Kita-Gesetz plant die Ministerin Sprachtests für alle Vierjährigen und bei Bedarf Förderung.