Druckartikel: Berlin: Tödlicher Angriff bei CSD - Dobrindt spricht von Terroranschlag

Berlin: Tödlicher Angriff bei CSD - Dobrindt spricht von Terroranschlag


Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa

Berlin, Sonntag, 26. Juli 2026

Dramatische Szenen am Ende eines bunten Festes: Am Rande des CSD in Berlin fährt ein Fahrzeug in die Menge. Eine Frau stirbt, viele werden verletzt. Was der Bundesinnenminister dazu sagt und welche Folgen das hat.
Polizisten stehen vor einem zerstörten weißen Fahrzeug im Bereich des Tiergartens, wo es einen Baum gerammt hatte. Am Rande des Christopher Street Day in Berlin war das Fahrzeug in eine Menschenmenge gefahren. Dabei wurde eine Frau getötet, 29 weitere Menschen verletzt, teilweise schwer.


Update vom 26.07.2026, 14.38 Uhr: Dobrindt spricht von Terroranschlag und nennt Details

Nach dem Angriff eines Autofahrers am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) gehen die Ermittler von einem islamistischen Terroranschlag aus. Darauf deute alles hin, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Der Tatverdächtige für den mutmaßlichen Terroranschlag sei mutmaßlich auch mit einer Machete auf Passanten losgegangen, Zuvor hatte er am Samstagabend (25. Juli 2026) mit einem Auto Menschen angefahren. Bei dem Angriff starb nach Angaben Dobrindts ein Mensch, 29 weitere wurden verletzt oder schwerstverletzt. Der 21-jährige Tatverdächtige ist auf der Flucht. Das ist bisher über den mutmaßlichen Attentäter bekannt.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zeigte sich entsetzt. "Der feige Anschlag auf den CSD in Berlin ist eine furchtbare Tat", schreibt der CSU-Chef auf X. Er sei fassungslos, dass friedlich feiernde Menschen angegriffen, verletzt und sogar aus dem Leben gerissen wurden. Seine Gedanken seien bei den Opfern und Angehörigen. "Wir werden uns dem Terror nicht beugen", hieß es weiter. 

Im ZDF-Sommerinterview betonte der Ministerpräsident: "Er ist auch ein bewusster Anschlag auf die Freiheitsidee unseres Landes. Und deswegen muss auch mit aller Härte dagegen vorgegangen werden". Besonders schlimm sei, dass der Angriff auf den CSD und damit auf den "Ausdruck von Lebensfreude, von Freiheit und von Toleranz" gezielt habe, betonte Söder. "Und deswegen ist der Anschlag eben mehr als, sagen wir mal, nur der Versuch, irgendwas zu stören."

Keine Lebensgefahr bei acht Charité-Patienten

Neben dem Gedenken an die Opfer und Betroffenen dürfe der Anschlag auf keinen Fall ungesühnt bleiben, sagte Söder. Nun müsse alles dafür getan werden, die Umstände der Tat aufzuklären. "Ich glaube, es ist jetzt zu früh, wirklich alles beurteilen zu können." Die Motive müssten geklärt werden. "Es tut uns allen weh und schockt uns."

Mit Blick auf künftige Großveranstaltungen und Feste bleibe es dabei, dass diese zwar geschützt werden müssten, "aber wir dürfen uns deswegen nicht die gesamte Lebensfreude nehmen lassen", sagte Söder. In Bayern versuchten die Behörden dies mit maximaler Balance aus Sicherheit auf der einen Seite und Liberalität auf der anderen Seite.

Der CSD war am Samstagabend (25. Juli 2026) nach der Tat abgebrochen worden. "Die Charité hat gestern Nacht acht auf dem CSD verletzte Menschen versorgt, vier konnten inzwischen entlassen werden", schrieb ein Sprecher der Charité Berlin am Sonntag. Vier weitere Patienten werden ihm zufolge aktuell auf Intensivstationen behandelt. Es bestehe "zum jetzigen Zeitpunkt keine Lebensgefahr".

Klöckner ordnet Trauerbeflaggung für Bundestag an

Nach einem 21-jährigen Mann wird mit einem Foto gefahndet. Es handelt sich um den 21 Jahre alten Abdul B., wie Generalstaatsanwaltschaft und Landeskriminalamt Berlin mitteilten. Die Behörden ermitteln "aufgrund des Verdachts eines Anschlags". 

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner ordnete eine Trauerbeflaggung auf halbmast für den Bundestag an. Sie sei zutiefst erschüttert, erklärte die CDU-Politikerin. "Wer Menschen attackiert, die für Freiheit, gleiche Rechte und Vielfalt einstehen, greift die Grundlage unseres demokratischen Gemeinwesens an, der tritt die Menschenwürde mit Füßen".

Ursprungsmeldung vom 26.07.2026, 6.28 Uhr: Auto rast in Menschenmenge - Fahrer auf der Flucht

Bei einem friedlichen, farbenfrohen Fest gibt es mindestens ein Todesopfer und zahlreiche Verletzte: Die Polizei in Berlin sucht nach dem Fahrer, der einen Kastenwagen in eine Menschenmenge nahe des Christopher Street Days gesteuert hat. In der Nacht von Samstag auf Sonntag (25./26. Juli 2026) teilte die Polizei mit, dass sie einen mutmaßlichen Verdächtigen identifiziert habe.

"Der Mann ist polizeibekannt und wird der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet", sagte Polizeisprecher Florian Nath.

Nach dem 21-jährigen Mann wird mit einem Foto gefahndet. Es handelt sich um den 21 Jahre alten Abdul B., wie Generalstaatsanwaltschaft und Landeskriminalamt Berlin mitteilten. Die Behörden ermitteln "aufgrund des Verdachts eines Anschlags". 

Auto in Berlin in Menschenmenge gerast - Polizei und LKA warnen

Die Behörden warnten: "Sollten Sie den Tatverdächtigen antreffen, wählen Sie unverzüglich die 110! Sprechen Sie ihn nicht an, er ist möglicherweise bewaffnet und gefährlich!" Der Verdächtige wird als schlank und etwa 1,90 Meter groß beschrieben. Er hat nach Informationen der dpa Familie in Berlin und wurde erst im Mai 2026 aus dem Jugendarrest entlassen.

Die ausgelassene Stimmung im Herzen der Hauptstadt fand am Samstag gegen 22 Uhr ein abruptes Ende, als der weiße Lieferwagen in der Nähe des Potsdamer Platzes plötzlich in die Menschenmenge gefahren wurde.

Laut Polizei erlitt eine Frau tödliche Verletzungen. Neben ihr gab es nach Angaben von Feuerwehrsprecher Dominik Pretz 16 Verletzte, von denen drei lebensbedrohlich, acht schwer und fünf leicht verletzt wurden. Die lebensbedrohlich und schwer verletzten Personen seien alle in Krankenhäuser gebracht worden.

Griff der Täter auch mit einer Stichwaffe an?

Der Täter war mit seinem Transporter laut Polizeisprecher Nath am Ahornsteig parallel zur Lennéstraße unterwegs gewesen. Dort habe er mehrere Menschen angefahren, möglicherweise auch umgefahren, bevor das Fahrzeug einen Baum rammte. Der Fahrer sei dann ausgestiegen und in unbekannte Richtung geflüchtet.

Was dann geschah, war bis zum Morgen teilweise unklar. "Es ist Bestandteil der Ermittlungen, ob es eine zweite Tatphase nach der Fahrphase gab. Ob jemand dann das Fahrzeug verlassen hat und mit möglichen Stichwaffen auf Personen eingewirkt und die verletzt hat", sagte Nath. Zeugenangaben zufolge sollen einige Menschen durch Stiche verletzt worden sein, manche wollen einen schwarz gekleideten Mann mit einer Machete gesehen haben.

Die Polizei prüft diese Angaben. Demnach gibt es auch unterschiedliche Aussagen dazu, ob es einen oder mehrere Täter gab. Das Gebiet rund um den Tatort wurde weiträumig abgesperrt, der Tiergarten mit Wärmebildkameras durchsucht, wie Nath schilderte. Die Polizei ging zuletzt nicht davon aus, dass sich der Täter noch in dem Bereich aufhält, sondern anderswo in Berlin ist.

Bürgermeister erschüttert

Zunächst war unklar, ob der Verdächtige tatsächlich das Fahrzeug steuerte und wem der weiße Lieferwagen gehört. Es handele sich um ein Privatfahrzeug, nicht um einen Mietwagen, erklärte Polizeisprecher Nath. Das leere und stark beschädigte Fahrzeug wurde im Bereich des Tatorts sichergestellt. Bis zum Morgen blieben die genauen Hintergründe des Angriffs unklar.

In den Stunden nach der Attacke gab es nach Angaben des Polizeisprechers mehrere Polizeieinsätze in Berlin, die im Zusammenhang mit der Tat standen. Dazu gehörte eine Durchsuchung gegen 1.10 Uhr in einer Wohnung im Stadtteil Schöneberg. Da dort niemand angetroffen wurde, habe es auch keine Festnahme gegeben, sagte Nath der dpa.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zeigte sich erschüttert über die Tat: "Es ist ein Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft - nach einem friedlichen und bunten CSD wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert. Berlin ist die Stadt der Freiheit - und unsere Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden." Auf die Frage, ob es sich um einen Terroranschlag handle, antwortete Wegner: "Es ist zu früh, das heute zu sagen."

Dobrindt bietet Hilfe an

Auch der Berliner Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler mahnte zur Zurückhaltung bei Spekulationen über den Hintergrund. Auf die Frage, ob es irgendwelche Hinweise auf einen politischen oder kriminellen Hintergrund gebe, sagte der SPD-Politiker, dazu könne man momentan noch nichts sagen. "Es hat sich ja auch nicht in der Veranstaltung selber abgespielt, sondern tatsächlich im Tiergarten." Daher sei die Lage auch so unübersichtlich.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bot noch am Abend den Landesbehörden die Unterstützung des Bundes an. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wurde laut einem Sprecher der Bundesregierung unmittelbar nach der Tat informiert. Merz und Dobrindt seien in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien und "werden sich mit besonderem Nachdruck für Aufklärung und Ahndung der abscheulichen Tat einsetzen", sagte der Sprecher.

Der CDU-Spitzenkandidat für die bevorstehende Abgeordnetenhauswahl in Berlin, Stefan Evers, äußerte auf der Plattform X sein Entsetzen und schrieb: "Es trifft unsere Stadt mitten ins Herz." Berlins Queerbeauftragter Alfonso Pantisano sagte vor Ort sichtlich betroffen: "Alle versuchen gerade ihre Netzwerke zu kontaktieren, um zu erfahren, ob die Menschen sicher nach Hause gekommen sind." Für die queere Community sei dies ein großer Trauertag.

Hunderttausende bei der Parade

Hunderttausende Menschen hatten in der Hauptstadt am Samstag den CSD gefeiert. Die Straßenparade - Höhepunkt eines bunten Programms während der Woche - begann am Mittag und endete abends am Brandenburger Tor. Mit ihrem Demonstrationszug wollten die Veranstalter ein Zeichen für Demokratie, Toleranz und Vielfalt setzen. Am Abend trat unter anderem Popmusikerin Sarah Connor bei der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor auf.

Nach dem Auftritt wurde das Bühnenprogramm zunächst fortgesetzt, bis wenig später ein Moderator die Menschen aufforderte, das Veranstaltungsgelände umgehend, aber ruhig und geordnet zu verlassen. Auf den Videoleinwänden am Brandenburger Tor erschien auf gelbem Hintergrund das Wort "Evakuierung". Die Besucher wurden aufgefordert, nicht in Richtung Siegessäule zu gehen, sondern die U-Bahneingänge am Brandenburger Tor zu nutzen. Auch über soziale Medien forderte der Veranstalter die Besucher auf: "Bitte geht nach Hause. Der CSD ist abgebrochen." In der Nacht sagten die CSD-Veranstalter dann zwei für Sonntag geplante Veranstaltungen ab.

Wie wir künstliche Intelligenz einsetzen