Druckartikel: Berlin: Linke-Politiker chattet mit Mitglied des Remmo-Clans - "gerne Bruder"

Berlin: Linke-Politiker chattet mit Mitglied des Remmo-Clans - "gerne Bruder"


Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa

Berlin, Dienstag, 22. Sept. 2026

Nach einem Chat mit einem Mitglied der Familie Remmo steht Ferat Koçak in der Kritik. Im Mittelpunkt steht ein Video, in dem der Berliner Politiker den Begriff "Clankriminalität" kritisierte.
Ferat Koçak (Die Linke) spricht in der 56. Plenarsitzung der 21. Legislaturperiode im Deutschen Bundestag. Der Politiker steht in der Kritik, nachdem ein Mitglied des Remmo-Clan einen Screenshot von einem Chat im Koçak gepostet hatte. (Archivbild)


Update vom 22.09.2026: Linke-Politiker bittet nach Chat mit Clan-Mitglied um Entschuldigung

Die Linke steht nach dem Besuch eines bekannten Clan-Mitglieds auf einer Wahlparty in Berlin erneut wegen Kontakten zur Familie Remmo in der Kritik. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak, bezeichnete seinen Chatkontakt mit einem bekannten Mitglied der Familie als Fehler und bat um Entschuldigung. Koçak schrieb am Montagabend (21. September 2026) auf der Plattform X, dass ihm zunächst nicht bewusst gewesen sei, wer der Mann sei.

Remmo hatte einen Screenshot der Konversation auf Instagram veröffentlicht. In dem Gespräch vom 17. Februar bittet Koçak ihn demnach, ein Video eines Auftritts im Bundestag von ihm zu verbreiten. Das Video trägt den Titel "Hysterische Dauerdebatte: CLANS". Remmo antwortet mit "Gerne Bruder". Der Screenshot zeigt auch eine frühere Nachricht unbekannten Datums, in der Koçak den Vater von Remmo grüßen lässt.

Video:




Bei Koçaks Gesprächspartner handelt es sich um einen Sohn von Issa Remmo, einem führenden Clan-Mitglied. Issa Remmo hatte am Sonntagabend eine Wahlparty der Linken in Neukölln besucht.

Video zeigt Beitrag des Politikers im Bundestag

Das geteilte Video ist weiterhin auf Koçaks Instagram-Seite zu sehen. Es enthält Ausschnitte aus einem Redebeitrag des Politikers im Bundestag. Dort sagte er laut Bundestagsprotokoll am 29. Januar dieses Jahres unter anderem: "Der Begriff 'Clankriminalität' ist kein klar definierter Straftatbestand. Er ist ein politischer Kampfbegriff mit einer rassistischen Geschichte." Das zentrale Problem des Clanbegriffs sei, dass er ganze Familien unter Generalverdacht stelle. "Er kriminalisiert Menschen aufgrund ihres Nachnamens", so Koçak.

Auf X schrieb Koçak nun zur Debatte: "Immer wieder rufe ich Menschen auf, sich an politischen Aktionen zu beteiligen. Im Zuge dessen hat sich auch Herr Remmo gemeldet. Ich kommuniziere jede Woche über meine Kanäle in den sozialen Medien mit hunderten Menschen aus Neukölln, und ich habe mit ihm geschrieben, wie mit jedem anderen Neuköllner auch und seinen Vater mit Höflichkeit zurückgegrüßt."

Zu dem Zeitpunkt habe er nicht gewusst, um wen es sich handelte. "Das wurde mir erst kurz danach bekannt. Dass ich ihm danach schrieb, wie ich es üblicherweise mit vielen Leuten tue, wenn ich Reden veröffentliche, war ein Fehler, für den ich um Entschuldigung bitte." Koçak fügte hinzu, er wolle sich nun die Zeit nehmen, um jeden Zweifel auszuräumen und in Absprache mit seinem Team sein Kommunikationsverhalten aufzuarbeiten.

Begriff der Clankriminalität ist umstritten

Die arabischstämmige Remmo-Großfamilie kam in den 80er Jahren aus dem Libanon nach Berlin. Zu der Familie, die inzwischen mehrere Generationen umfasst, sollen einige Hundert Menschen gehören. Ein Teil von ihnen wird von der Polizei dem kriminellen Clanmilieu zugeordnet. Vor allem junge Männer aus der Großfamilie wurden wegen zahlreicher Straftaten und Gewaltdelikte als Verdächtige gefasst und verurteilt. Oft gerieten sie in die Schlagzeilen – etwa nach dem Diebstahl einer riesigen Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum.

Der Begriff Clankriminalität ist umstritten, da er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert. Auch die Partei Die Linke lehnt die Bezeichnung weitgehend ab.

Update vom 21.09.2026: Clan-Boss Remmo auf Linken-Wahlparty gesichtet - "verstörendes Signal"

Die Linke in Berlin-Neukölln hat nach dem Besuch eines bekannten Clan-Mitglieds auf einer Wahlparty erklärt, dass es keine politischen oder persönlichen Beziehungen zu dieser Person gibt. "Es handelte sich um eine öffentliche Veranstaltung, zu der auch ungeladene Personen Zutritt hatten", sagte Jorinde Schulz vom Bezirksvorstand der Neuköllner Linken auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Weiter erklärte Schulz: "Uns war die Person und ihre Anwesenheit im Speziellen nicht bekannt, sie steht nicht auf unserer Anmeldeliste. Es gibt weder politische noch persönliche Beziehungen zu dieser Person." Der Besuch der Wahlparty habe daran "selbstverständlich nichts geändert".

"Das wird die Linke klären müssen": Kritik an Besuch von Clan-Chef Remmo

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) äußerte sich auf X: "Dass Issa Remmo auf der Wahlparty der Berliner Linken auftaucht, ist ein verstörendes Signal. Gerade eine Partei, die Verantwortung für unsere Stadt übernehmen will, muss unmissverständlich deutlich machen, dass es keinerlei Nähe zu Strukturen geben darf, die zur organisierten Kriminalität gehören." Die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, sagte im ZDF: "Mit organisierter Kriminalität haben wir nichts zu tun." Nach ihren Worten war das Clan-Mitglied nicht eingeladen.

Die Landesvorsitzende der Grünen, Nina Stahr, zeigte sich sehr überrascht von dem Vorfall. "Das wird die Linke klären müssen, was da passiert ist, warum das passiert ist", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Sie erwarte, dass der Landesverband der Linken mit den Verantwortlichen in Neukölln spricht – sowohl im Hinblick auf diesen Vorfall als auch im Hinblick auf die Antisemitismus-Debatte der vergangenen Wochen. "Da ist ganz klar, dass es hier eine Klarheit geben muss, bevor eine Regierungsbildung kommt", sagte Stahr.

Währenddessen erregte der Wahlsieg von Elif Eralp auch in der Türkei große Aufmerksamkeit - und das nicht nur, weil sie als Spitzenkandidatin der Linken bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus einen bedeutenden Erfolg erzielt hat. Auch die türkischen Wurzeln der Politikerin werden im Heimatland ihrer Eltern hervorgehoben.

Eralp im Blickpunkt: Große Aufmerksamkeit aus der Türkei

"Historisches Ergebnis in Deutschland: In Berlin geht der Sieg an die Partei der türkeistämmigen Bürgermeister-Kandidatin Elif Eralp", titelte der Fernsehsender Halk TV. Und die Tageszeitung Sözcü schrieb: "Türkische Kandidatin sprengt die Urnen; die Deutschen sagten 'Elif'!". Eralp selbst hatte in ihrer Ansprache direkt nach der ersten Prognose am Abend auf Türkisch gesagt: "Wir haben Geschichte geschrieben, Freunde."

Eralp wäre nicht nur die erste linke Berliner Regierungschefin, sondern auch die erste mit Migrationshintergrund. Eralps Eltern flohen als Sozialisten und Gewerkschafter nach dem Militärputsch aus der Türkei, ihre Mutter war damals mit ihr schwanger. Geboren wurde Eralp dann 1981 in München. Die türkische Medienplattform Serbestiyet schrieb am Abend: "Die Tochter einer Familie, die nach dem Putsch vom 12. September floh, steht in Berlin kurz vor dem Amt der Regierenden."

Ursprungsmeldung vom 20.09.2026: CDU kassiert auch in Berlin Wahlniederlage: Linke überraschend klar vorne

Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus liegt die Linke nach Prognosen überraschend klar vor der CDU – noch nie zuvor war die Linke in Berlin stärkste Kraft. Die CDU rutscht auf Platz zwei ab und muss einen weiteren Rückschlag einstecken, die AfD kann ihr Ergebnis von der Wiederholungswahl von 2023 deutlich steigern. Das regierende Bündnis aus CDU und SPD verliert seine Mehrheit, denkbar sind nun Dreier-Bündnisse. 

Die AfD bleibt den Prognosen zufolge trotz Zugewinnen hinter den Erwartungen zurück. Die Grünen verlieren leicht, die SPD landet auf Rang fünf. Die FDP verpasst erneut den Einzug ins Landesparlament, das BSW muss um den Einzug bangen. 

Linke hängt die CDU auf den letzten Metern ab

Nach den 18.00-Uhr-Prognosen von ARD und ZDF wird die Linke stärkste Kraft und kommt auf 24,5 bis 26 Prozent (2023: 12,2 Prozent). Damit könnte Elif Eralp – falls die Linke Koalitionspartner findet – die erste Linke werden, die das Amt der Regierenden Bürgermeisterin in der Hauptstadt übernimmt. Die 45-Jährige wäre zudem die erste Berliner Regierungschefin mit Migrationsgeschichte. 

Die Linke könnte damit ihr bestes Ergebnis bei einer Abgeordnetenhauswahl in Berlin einfahren. 2001 hatte die Partei noch unter dem Namen Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) mit 22,6 Prozent ihren bisherigen Rekord erreicht. 

Hinter der Linken liegt die CDU mit laut Prognosen 20 Prozent (2023: 28,2) mit Spitzenkandidat Stefan Evers, der erst im Juli als Ersatzmann für den amtierenden Regierungschef Kai Wegner in den Wahlkampf eingestiegen war. Für die nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt angeschlagene CDU und Bundeskanzler Friedrich Merz ist die Berlin-Wahl der nächste herbe Rückschlag. Der Druck auf den Parteichef dürfte mit Blick auf das magere Ergebnis bei der zeitgleich stattgefundenen Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern noch einmal deutlich zunehmen. Um den dritten Platz lieferten sich AfD und Grüne ein enges Rennen. Die AfD liegt bei 13,5 bis 16,0 Prozent und kann ihr Ergebnis von der Wiederholungswahl 2023 (9,1 Prozent) deutlich steigern. Die Grünen kommen auf 15,0 bis 15,5 Prozent (2023: 18,4).

SPD abgeschlagen 

Abgeschlagen liegt die SPD von Steffen Krach auf Platz fünf. Die Prognosen sehen sie bei 12,0 Prozent (2023: 18,4). Krach war wenige Wochen vor der Wahl in der heißen Phase des Wahlkampfs wegen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover gegen ihn in die Schlagzeilen geraten. Gegen den 47-Jährigen wird unter anderem wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme ermittelt, dabei geht es um seine frühere Tätigkeit als Regionspräsident in Hannover. Krach weist alle Vorwürfe zurück, es gilt die Unschuldsvermutung.

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Berlin als rot galt und die SPD die absolute Mehrheit in der Hauptstadt hatte, seit 2011 verliert die Partei bei jeder Wahl ein paar Prozentpunkte. Die Sozialdemokraten waren seit der Wiedervereinigung ununterbrochen Teil des Senats, ein Wechsel in die Opposition wäre eine Zäsur. 

Das BSW liegt in beiden Prognosen bei 5,0 Prozent und muss somit noch um den Einzug ins Parlament bangen. Die noch junge Partei war erstmals zur Wahl für das Berliner Abgeordnetenhaus angetreten. Die FDP kann erneut nicht in das Landesparlament einziehen und liegt laut ARD abgeschlagen bei 2,5 Prozent, im ZDF werden keine Zahlen für sie ausgewiesen. 

Wie könnte Berlin künftig regiert werden? 

Als wahrscheinlichste Option gilt eine Dreier-Koalition. Entweder gehen Linke, Grüne und SPD zusammen oder aber die CDU, Grüne und SPD bilden eine Koalition. Das regierende Bündnis aus CDU und SPD hat keine Mehrheit mehr. 

Auf jeden Fall bekommen die Berlinerinnen und Berliner einen neuen Regierenden Bürgermeister, der aktuell regierende Wegner hatte im Juli seinen Rückzug als CDU-Spitzenkandidat bekanntgegeben. Der 54-Jährige hatte zuvor monatelang in der Kritik gestanden, nachdem er am ersten Tag des großen Stromausfalls Anfang Januar Tennis spielen gegangen war, das zunächst aber verschwiegen hatte. Die Diskussionen über Ungereimtheiten und falsche Angaben zu seinem Krisenmanagement im Zusammenhang mit dem Stromausfall ebbten nicht ab und überschatteten lange den Wahlkampf.

Auf dem Wahlzettel stand Wegner dennoch in seinem Wahlkreis in Spandau, sein Rückzug betraf nicht seine Direktkandidatur. 

Berlin wählt öfter

Rund 2,5 Millionen Bürgerinnen und Bürger waren zu der Wahl aufgerufen. Erstmals durften auch 16- und 17-Jährige über die Zusammensetzung des Landesparlaments entscheiden, sie machen jedoch nur etwa zwei Prozent der Wahlberechtigten aus. Gewählt wurden auch die zwölf Bezirksverordnetenversammlungen in der Hauptstadt. Hier waren 2,75 Millionen Menschen wahlberechtigt, weil auch in Berlin lebende EU-Ausländer abstimmen dürfen.

Die Berlinerinnen und Berliner wählten zuletzt öfter als regulär vorgesehen. Hintergrund ist das Chaos 2021, als die Wahl zum Abgeordnetenhaus und die Bundestagswahl parallel stattfanden. Es traten schwerwiegende Pannen auf, zum Teil fehlten Stimmzettel, zum Teil wurden sie vertauscht, zum Teil gab es lange Schlangen vor Wahllokalen. Die Wahlen zum Landesparlament wie auch zu den Bezirksparlamenten mussten daraufhin im Februar 2023 komplett wiederholt werden, die Bundestagswahl ein Jahr später teilweise.

Durch diesen Sonderfall ist es der sechste Wahltag binnen fünf Jahren in Berlin. Bei der Wahlbeteiligung ließ sich jedoch keine Wahlmüdigkeit erkennen – während die Wahlbeteiligung 2023 noch bei 63 Prozent lag, stieg sie auf 72 Prozent.

Mieten und Wohnen im Fokus

Wohl wichtigstes Thema im Wahlkampf waren der Wohnungsmangel und überhöhte Mieten. 

Eralp etwa hatte angekündigt: «Wir sind bereit, uns mit den Immobilienkonzernen anzulegen.» Sie will «jeden verdammten Hebel umlegen», um Berlin bezahlbar für alle zu machen. Große Wohnungsunternehmen will sie enteignen und einen Mietendeckel für landeseigene Wohnungen einführen. 

Außerdem ging es im Wahlkampf um Verwahrlosung und Vermüllung in der Stadt sowie um Kriminalität und Sicherheit. Die Parteien stritten auch über Tempo-30-Straßen, den Bau von Radwegen oder den Nahverkehr mit Bussen und Bahnen. Die AfD setzte stark auf das Thema Migration.

Wie geht es jetzt weiter? 

Das neue Abgeordnetenhaus ist für fünf Jahre gewählt und muss spätestens sechs Wochen nach der Wahl unter dem Vorsitz des ältesten Abgeordneten zusammentreten. Geplant ist die konstituierende Sitzung für den 29. Oktober. Dann wählen die Abgeordneten aus ihrer Mitte den Präsidenten und zwei Vizepräsidenten. 

Für die Wahl des neuen Regierenden Bürgermeisters gibt es keine feste Frist. Er wird mit der Mehrheit der Abgeordneten gewählt.