Bericht zu Cannabis-Freigabe: Deutschland jetzt XL-Markt
Autor: Yuriko Wahl-Immel, dpa
, Mittwoch, 01. April 2026
Seit zwei Jahren ist Cannabis für Volljährige mit Beschränkungen legal. Ein Bericht analysiert Entwicklungen im Gesundheitsschutz und beim Kampf gegen den Schwarzmarkt. Kommen Korrekturen in Sicht?
Zwei Jahre nach der umstrittenen Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland sieht eine wissenschaftliche Zwischenbilanz auch Fehlentwicklungen an einigen Stellen. Ein leicht wachsender Konsumanteil komme nun aus legalen Quellen, heißt es in dem Bericht von Expertinnen und Experten der Universitäten Düsseldorf, Hamburg und Tübingen. Und es gebe Anzeichen, dass der Schwarzmarkt «langsam durch legale Angebote verdrängt wird». Aus dem Unionsteil der Bundesregierung kamen Rufe nach Korrekturen.
Für eine abschließende Bewertung sei es verfrüht, heißt es im Bericht. Aus Daten lasse sich bislang nicht ablesen, ob die Organisierte Kriminalität in diesem Bereich geschwächt sei, sagt Suchtforscher Jakob Manthey vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf der Deutschen Presse-Agentur.
Kritisch sieht die Analyse: Für therapeutische Zwecke werde viel zu oft Medizinalcannabis mit zu hohem Wirkstoffgehalt verschrieben, was ein erhöhtes Gesundheitsrisiko berge. Frühe Interventionen zur Suchtvorbeugung bei Kindern und Jugendlichen seien zurückgegangen. Die Polizei beklage Probleme bei der Verfolgung des fortbestehenden illegalen Cannabis-Handels.
«Größter legal-kommerzieller Cannabismarkt Europas»
In der Evaluation zu Folgen des Cannabisgesetzes lässt auch aufhorchen: Der Gesetzgeber habe in Deutschland «den größten prinzipiell legal-kommerziellen Markt» für medizinisches Cannabis in Europa geschaffen. 2025 seien 200 Tonnen medizinisches Cannabis legal-kommerziell eingeführt worden, berichtet Manthey, Koordinator des Forschungsprojekts. «Es gibt in keinem anderen europäischen Land einen legalen Cannabismarkt in dieser Größenordnung.»
Im Vergleich zu 2024 sei das ein Einfuhrplus von 198 Prozent. Der Import – vor allem aus Kanada – sei privatwirtschaftlich organisiert, erläutert der Forscher. Ob und in welchem Umfang illegale Gruppen in die Herstellung des Cannabis aus medizinischem Anbau involviert seien und was genau dann hierzulande mit den gestiegenen Mengen passiere, sei unklar. Es fehle an Transparenz, und es gebe Hinweise darauf, dass Deutschland auch Verteilzentrum sei.
Strengere gesetzliche Regeln für den Zugang zu medizinischem Cannabis hat das Bundeskabinett bereits auf den Weg gebracht. Aus dem Unionsteil der Regierung kamen nun anlässlich des Berichts Kritik und Rufe nach Korrekturen der generellen Legalisierung. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) nannte sie einen Fehler. Die «verschwommene Grenze zwischen Konsumcannabis und Cannabis zu rein medizinischen Zwecken» sei ein zunehmendes Problem.
Dobrindt: Gesetz «vollkommener Rohrkrepierer»
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, das Legalisierungsgesetz sei ein «vollkommener Rohrkrepierer», und kritisierte: «Der Schwarzmarkt boomt, die Kriminalität steigt.» Aus Sicht von Familienministerin Karin Prien (CDU) sind Nachsteuerungen bei der Suchtprävention für Kinder und Jugendlichen nötig.