Bericht: Engpässe in Stromnetz bremsen Chinas grüne Energie
Autor: Johannes Neudecker, dpa
, Dienstag, 21. Juli 2026
China ist Weltmeister im Ausbau von Solar- und Windparks. Doch immer öfter geht die dort gewonnene Energie verloren. Das hat einer Analyse zufolge auch mit dem Stromnetz zu tun.
Unter Chinas massivem Ausbau erneuerbarer Energien drücken einer Analyse zufolge zunehmende Engpässe im Leitungsnetz auf die Produktion von Strom aus Sonne und Wind. Zu den Übertragungsengpässen als großem Hindernis schränkten neue Regelungen auf dem Strommarkt und Anreize für die Nutzung von Kohle die Flexibilität des Systems ein, hieß es in einem Bericht des Global Energy Monitor (GEM).
«Die Folge sind zunehmende Einspeisedrosselungen: Wind- und Solarstrom, der unter den vorherrschenden Wetterbedingungen hätte erzeugt werden können, wurde stattdessen reduziert oder ganz zurückgehalten», schrieben die Experten. Durch die sogenannten Ultrahochspannungsleitungen fließe nur zu einem Fünftel Solar- und Windenergie. 42 Prozent kämen aus Kohleverstromung, hieß es.
Strom muss weite Strecken zurücklegen
Ultrahochspannungsleitungen können große Mengen an Energie über Tausende Kilometer mit geringem Energieverlust befördern. Denn die Herausforderung für die Volksrepublik besteht darin, den Strom aus den Solar- und Windparks der dafür besonders geeigneten nördlichen und nordwestlichen Regionen in die weit entfernten Industriehochburgen und bevölkerungsreichen Metropolen an der Ost- und Südküste zu transportieren.
Weltweit ist China Spitzenreiter im Ausbau grüner Energie. Laut den GEM-Experten gingen 2025 Solarparks mit einer Gesamtkapazität von 317 Gigawatt und Windkraftanlagen im Umfang von 120 Gigawatt ans Netz. Ein Gigawatt Strom reicht je nach Land für mehrere Hunderttausend Haushalte. GEM nutzt für die Berechnung eigene Datensätze. Die Organisation speist diese mit Regierungsangaben, Berichten der Energieunternehmen sowie Medienberichten.
China setzt Ausbau fort
Die Volksrepublik verfügt über rund 1.200 Gigawatt an Solarenergie- und 640 Gigawatt an Windenergie-Kapazität. Derzeit baut China neue Windparks mit einer Gesamtkapazität von 251 Gigawatt. Nach Berechnungen des GEM könnte diese jährlich so viel Strom produzieren, wie Deutschland 2025 aus all seinen Stromquellen erzeugte.
Noch größer ist der Zubau bei Solarenergie. Hier errechneten die Analysten, dass China derzeit Parks mit einer Gesamtleistung von 262 Gigawatt baut. Verglichen mit den im Bau befindlichen Großanlagen im Rest der Welt, seien dies 25 Prozent mehr, hieß es im Bericht.
Kohle bleibt wichtiger Rückhalt
Die Experten halten es für möglich, dass China schon in diesem Jahr sein Fünfjahresplan-Ziel erreicht, bis 2030 den Anteil von Solar- und Windenergie an der gesamten Stromkapazität auf über 50 Prozent zu steigern.