Rekorde beim Spritpreis - Entlastung schon zum 1. Oktober?
Autor: Christof Rührmair und Marek Majewsky, dpa
, Mittwoch, 16. Sept. 2026
Benzin ist so teuer wie nie zuvor, Diesel nur noch knapp unter seinem Höchststand. Die Koalition will schnell handeln. Was genau passieren soll, ist umstritten.
Während die Spritpreise von Rekord zu Rekord klettern, arbeitet die Koalition an schnellen Entlastungen. Unionsfraktionschef Thorsten Frei will Sofortmaßnahmen zum 1. Oktober, wie er im «Frühstart» von RTL und ntv sagte. «Die Menschen brauchen jetzt nicht die Aussicht auf Entlastung, sondern sie brauchen Entlastung.» Auch die SPD will schnelle Maßnahmen.
Superbenzin der Sorte E10 erreichte am Dienstag im bundesweiten Tagesdurchschnitt den vierten Rekord in direkter Folge. Ein Liter kostete 2,30 Euro und damit 1,4 Cent mehr als einen Tag zuvor, wie der ADAC mitteilt. Im Vergleich zum Stand vor Ausbruch des Iran-Krieges hat sich der Preis um mehr als 52 Cent pro Liter erhöht.
Auch Diesel verteuerte sich erneut: 2,422 Euro pro Liter sind ein Cent mehr als am Vortag. Damit schmilzt auch der Abstand zum bisherigen Rekord von 2,447 Euro pro Liter aus dem April weiter. Im Vergleich zum letzten Vorkriegstag hat sich der Preis um fast 68 Cent pro Liter erhöht. Und die Signale für die weitere Entwicklung deuten nach oben: Das Spritpreisportal «Tankerkönig» ermittelte am Mittwochvormittag etwas höhere Preise als zu den vergleichbaren Zeitpunkten am Dienstag.
Keine schnelle Entspannung erwartet
Unionsfraktionschef Frei sagte im «Frühstart», er rechne nicht mit einer schnellen Entspannung bei der Ursache für die hohen Spritpreise. Als Möglichkeiten für Entlastungen nannte er eine neuerliche Senkung der Energiesteuer nach dem Vorbild des Tankrabatts vom Mai und Juni sowie eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe von 19 auf 7 Prozent. Der Staat profitiere über die Mehrwertsteuer von den hohen Preisen. «Davon etwas zurückzugeben, wäre deswegen eine naheliegende Maßnahme.»
Der Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, Dennis Radtke, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch): «Direktzahlungen an Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen sind richtig, wenn sie schnell und unbürokratisch kommen.»
Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Dienstag Entlastungen der Autofahrer angekündigt. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) begrüßte die Äußerungen und betonte, man müsse schnell zusammenkommen.
Uneins über das Wie
Dieses Zusammenkommen könnte sich allerdings als schwierig erweisen. Denn während die SPD unter anderem eine Übergewinnsteuer und einen Spritpreisdeckel fordert, ist die Union hier skeptisch. Frei lehnte eine Übergewinnsteuer ab. Auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will lieber bestimmte Bevölkerungsgruppen gezielt über Direktzahlungen entlasten. Laut Finanzministerium ist dies inzwischen machbar, bisher liegen aber lediglich von 19 Prozent der Steuerpflichtigen die notwendigen Bankverbindungen vor.