Rente vor Runderneuerung – gegen viele Widerstände
Autor: Basil Wegener und Verena Schmitt-Roschmann , dpa
, Dienstag, 23. Juni 2026
Der Kanzler und seine Arbeitsministerin wollen die neuen Rentenvorschläge komplett umsetzen. Zum Start des Reformprozesses zeigt sich, worum jetzt gestritten werden dürfte.
In Deutschland rücken ein steigendes Rentenalter und eine weitreichende Umgestaltung der Alterssicherung näher. Union und SPD wollen die Empfehlungen der Rentenkommission schnell eins zu eins umsetzen. Dies kündigten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) nach Entgegennahme des Abschlussberichts der Kommission im Kanzleramt in Berlin an. Die Vorschläge lösten weitere Kritik aus. Eine zügige Realisierung fordert unter anderem die Industrie.
Alle Generationen wären von den 33 Empfehlungen der 13-köpfigen Kommission mehrheitlich aus der Wissenschaft betroffen. Ziel: Die gesetzliche Rente auf Jahrzehnte hinaus sicher und bezahlbar machen. Und das obwohl einer Person ab 67 im Jahr 2040 voraussichtlich «nur noch gut zwei Personen im Erwerbsalter gegenüberstehen», wie es in dem 80-Seiten-Bericht heißt.
Kommission verteidigt Beitragsanstieg
Kern der Empfehlungen ist eine neue Kapitalrente. Zusätzlich zum normalen Rentenbeitrag sollen Arbeitgeber und Beschäftigte dafür nach einer 2028 beginnenden Übergangsphase zwei Prozent des Bruttoeinkommens zahlen. Doch schon vor der Präsentation kommt die Kommission in Verteidigungshaltung. So kritisiert Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger: «Die Kapitalrente würde eine massive Mehrbelastung von mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr für Unternehmen und Beschäftigte bedeuten.»
Der Bericht zeigt: Der gesamte Beitragssatz – heute bei 18,6 Prozent – dürfte damit 2031 über die 22-Prozent-Marke steigen und in den Jahren darauf dort erst stabil bleiben. Das CSU-Kommissionsmitglied Florian Dorn wirbt für die Pläne: Ohne Reform würden die Beiträge ebenso steigen – aber ohne den Mehrwert durch die Kapitalsäule. Später könnten sie sogar gesenkt werden.
Was die SPD zum steigenden Rentenalter sagt
Dazu kommen zwei kritische Punkte für viele: ein höheres Rentenalter und das Aus für die vorzeitige Rente ohne Abschläge früher ab 63, heute ab 64,5 Jahren. Deshalb schwappt den Reformplänen seit Tagen eine erste Welle der Kritik entgegen, etwa von Gewerkschaften. Die SPD-Vertreterin des Gremiums, die Abgeordnete Annika Klose, unterstreicht: «In diesem Bericht steht nichts von der Rente mit 70.»
Tatsächlich wird ein mit der Lebenserwartung im Verhältnis 2:1 steigendes Rentenalter empfohlen, so dass die Regelaltersgrenze bis 2041 um etwa sechs Monate auf 67,5 Jahre angehoben würde. Und bei der «Rente mit 63» sollen die, die kurz davor sind und damit geplant haben, von Regeln zum «Vertrauensschutz» profitieren, wie Bas bereits betonte. Verbesserungen sind zudem in belastenden Berufen geplant. Sonst bliebe Betroffenen künftig der Weg zur Rente mit Abschlägen. Die Grenze für die bestehende Rente mit Abschlägen nach 35 Berufsjahren soll von 63 auf 64 Jahre steigen.
Wie die Rente abgesichert gesichert werden soll
Trotzdem werben auch Klose und Bas für das Reformkonzept. An anderer Stelle spricht Klose sogar von einem «tollen Erfolg». Denn mit Hilfe von frischem Steuergeld soll ab 2032 ein Kernanliegen der SPD umgesetzt werden: eine Stabilisierung des Rentenniveaus – also die Vermeidung von nur kleinen jährlichen Rentenerhöhungen. Das Gesamtpaket hat einstimmig Zustimmung in der Kommission erhalten, wie der Co-Vorsitzende Frank-Jürgen Weise sagte.