In Deutschland wurden im August deutlich mehr Wohnungen bewilligt. Das nährt Hoffnungen auf ein Ende der Krise am Bau. Auch die Bundesregierung macht Tempo. Wären da nicht die gestiegenen Zinsen.
Hoffnung im seit Jahren kriselnden Wohnungsbau: Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland hat im August erneut deutlich zugelegt. Insgesamt wurden 20.600 Wohnungen bewilligt, das sind 6,8 Prozent oder 1.300 Genehmigungen mehr als ein Jahr zuvor.
Damit hält der Aufwärtstrend aus dem ersten Halbjahr an, als die Baugenehmigungen um gut 15 Prozent gestiegen waren - der stärkste Anstieg für ein erstes Halbjahr seit 2016. Die Bewilligungen sind ein Indikator für den Kampf gegen Wohnungsmangel und steigende Mieten.
Bundesbauministerin Verena Hubertz kündigte zudem den baldigen Start einer bundeseigenen Wohnungsbaugesellschaft an, die den Neubau in Schwung bringen soll. «Das Ziel ist, dass die Wohnungsbaugesellschaft 2027 an den Start geht», sagte die SPD-Politikerin dem Portal «t-online». «Wir werden noch im Herbst unser Konzept vorstellen und dann schnellstmöglich damit loslegen.»
Aufwärtstrend hält an
Von Januar bis August wurden Baugenehmigungen für 169.400 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden erteilt, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Das sind gut 12 Prozent oder 18.300 mehr als im Vorjahreszeitraum. In neu zu errichtenden Gebäuden wurden 137.500 Wohnungen bewilligt (plus 12,7 Prozent).
Dabei wuchs die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um knapp acht Prozent. Bei den Zweifamilienhäusern gab es sogar ein Plus von gut einem Fünftel (21,7 Prozent). In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig wichtigsten Gebäudeart, genehmigten die Behörden 90.600 Neubauwohnungen oder 14,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Gute Zahlen, aber höhere Zinsen
Die steigenden Zahlen nähren die Hoffnung, dass sich die Auftragslage im Wohnungsbau belebt. Allerdings steigen für Bauherren die Kosten, da sich Materialien und Energie wegen des Iran-Kriegs verteuert haben und die zehnjährigen Bauzinsen mit Inflationssorgen über die Marke von 4 Prozent gestiegen sind. Finanzierungen werden damit für Hausbauer ebenso wie private Investoren teurer. Daher gibt es Befürchtungen, dass der Aufschwung bei den Baugenehmigungen schon bald abebbt.
Nachdem sich die Stimmung im Wohnungsbau zuletzt gebessert hatte, verzeichnete das Ifo-Institut im September wieder einen Rückgang. Während die aktuelle Lage weitgehend gleich bewertet werde, schauten die Baufirmen skeptischer auf die kommenden Monate. «Die Aussicht auf wieder höhere Finanzierungskosten belastet die Branche», sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen, auch mit Blick auf steigende Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB).