Baubranche warnt: Iran-Krieg treibt Kosten für Hausbauer
Autor: Alexander Sturm, dpa
, Freitag, 24. April 2026
Beton, Stahl, Dämmstoffe: Baumaterialien haben sich mit dem Nahostkrieg reihenweise verteuert. Die Rechnung zahlen Hausbauer. Auch für den Kampf gegen den Mangel an Wohnraum heißt das nichts Gutes.
Auf Hausbauer kommen wegen des Iran-Kriegs spürbar höhere Kosten für ihr Eigenheim zu. Die Baubranche warnt vor anziehenden Preisen auf breiter Linie sowohl für Materialien als auch für den Transport zu Baustellen wegen teurem Sprit. Die höheren Lasten für private Hausbauer wie Investoren drohen zudem den Neubau zu bremsen und dürften den Kampf gegen Wohnungsknappheit und steigende Mieten erschweren. Bauministerin Verena Hubertz (SPD) verspricht Erleichterung bei Bauvorschriften.
«Wir sehen fast überall Kostensteigerungen», sagt der Präsident des Verbands baugewerblicher Unternehmer Hessen, Thomas Reimann, der Deutschen Presse-Agentur. Das reiche von Stahl über Beton bis hin zu Dämmstoffen und Folien, die auf Rohöl basierten. Auch das Aufstellen von Kranen sei teurer geworden wegen höherer Dieselkosten bei der Anfahrt. «Insgesamt liegen die Baukosten um drei bis fünf Prozent höher als vor dem Iran-Krieg.»
Aussicht auf schnelle Besserung gebe es nicht. «Bauen wird nicht billiger werden.» Selbst wenn die Rohölpreise am Weltmarkt zurückgingen, dürften Lieferanten zunächst bei ihren Preisen bleiben.
«Seriöse Kalkulation kaum möglich»
Die hohen Ölpreise hätten auf die Kosten für Diesel durchgeschlagen und besonders auf Bitumen, ein Bindemittel für Asphalt, das Erdöl gewonnen wird, berichtet Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands HDB. Unternehmen hätten im März binnen Monatsfrist Preissteigerungen von rund einem Viertel bei Diesel und gut 36 Prozent bei Bitumen gemeldet. «Weitere Preissprünge sind vorprogrammiert.» Viele Baufirmen planten, ihre Angebotspreise schon bald zu erhöhen.
Eine seriöse Kalkulation von Bauleistungen sei derzeit kaum möglich, beklagt Müller. Wegen der großen Unsicherheit um den Iran-Krieg seien Bauunternehmen gezwungen, Risikoaufschläge in ihre Angebote einzupreisen, sofern keine Preisgleitklauseln vereinbart wurden.
Der Iran-Krieg wirke wie ein Brennglas auf strukturelle Probleme, die es ohnehin gebe, erklärte Bauministerin Verena Hubertz (SPD) im ARD-«Morgenmagazin». «Die Baukosten, die hoch waren, die sind jetzt noch mal mehr unter Druck.»
Erinnerungen an Ukraine-Krieg
Schon 2024 und 2025 waren die Baukosten für konventionelle Wohngebäude in laut Statistischem Bundesamt um rund drei Prozent gestiegen. Während des Ukraine-Kriegs 2022 hatte es sogar zeitweise Kostensteigerungen von mehr als 15 Prozent gegeben. Da damals nicht nur Materialien sprunghaft teurer wurden, sondern auch die Zinsen stiegen, brach der Neubau ein - mit Folgen bis heute: Die Zahl fehlender Wohnungen in Deutschland wird auf rund eine Million geschätzt.