Bahnverkehr unter Druck: Länder fordern mehr Geld vom Bund
Autor: dpa
, Donnerstag, 22. Oktober 2026
Unweit von Schloss Neuschwanstein kommen die Verkehrsminister der Länder mit dem neuen Kollegen aus dem Bund zusammen. Auf der Agenda stehen viele Streitthemen und immer wieder das gleiche Problem.
Unter dem Eindruck klammer Kassen bei Bund und Ländern suchen die Verkehrsminister von Bund und Ländern bei ihrer turnusmäßigen Herbstkonferenz nach Kompromissen. Im Fokus steht besonders der Schienenverkehr. Jedoch rechneten bereits vor Beginn der Verhandlungen Teilnehmer mit keinen Einigungen zu den Dauerstreitthemen.
In einem gemeinsamen Papier, das nach dpa-Informationen aus Länderkreisen beschlossen wurde, verlangen die Bundesländer eine Reform der Schienenmaut - zusätzliche Kosten sollten kurzfristig ausgeglichen werden. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU), der den Vorstoß initiiert hatte, sagte auf dpa-Anfrage: «Es ist einfach bitter, dass der Bund den Ländern über die DB InfraGo erst massiv steigende Kosten aufbürdet, sie dann zusammen mit Pendlerinnen und Pendlern aber im Stich lässt. Damit verpassen wir die einmalige Chance, bei historisch hohen Spritpreise mehr Menschen vom Auto auf die Schiene zu bringen.»
Ein Überblick zu den wichtigsten Punkten:
Trassenpreise
Aus der Sicht des Gastgebers, Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), muss die Bundesregierung drohende Preissteigerungen bei den Trassenpreisen «vollständig kompensieren», wie er auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur erläuterte. Ansonsten drohten Einschränkungen im Bahnverkehr.
Trassenpreise sind eine Art Schienenmaut. Der Verband «Die Güterbahnen» warnte zur Konferenz in einem Brief an die Teilnehmer vor negativen Konsequenzen für die Wirtschaft. Angekündigte Preiserhöhungen von bis zu 85 Prozent für 2028 etwa für Gefahrgut- und sehr schwere Züge würden die Chemie-, Landwirtschaft- und Stahlstandorte massiv treffen.
Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sieht die Bundesregierung in der Pflicht. «Die Kosten für die Nutzung des Schienennetzes müssen wettbewerbsfähig und planbar werden», sagte der Jens Hilgenberg, Leiter für Verkehrspolitik. Die Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz müssten auf drei Milliarden Euro jährlich aufgestockt werden.
Anlass für die Preisdebatte ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Frühjahr. Demnach verstößt die zuvor gesetzlich festgelegte Begrenzung der Trassenpreiserhöhungen im Nahverkehr gegen eine EU-Richtlinie.