Bahn prüft Sanierungskonzept nach erneuten Verzögerungen
Autor: Fabian Nitschmann und Matthias Arnold, dpa
, Mittwoch, 08. Juli 2026
Der Fahrgast soll bei der Bahn wieder in den Fokus rücken - sowohl kurzfristig, etwa mit Blick auf Reiseinfos, als auch langfristig mit besserer Infrastruktur. Doch der Weg dahin ist steinig.
Das Vertrauen in die Deutsche Bahn hat in den vergangenen Jahren schwer gelitten - der bundeseigene Konzern hat sich daher zum Ziel gesetzt, mit drei Maßnahmenpaketen schnell für bessere Stimmung unter den Fahrgästen zu sorgen. Bahnchefin Evelyn Palla und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) stellten nun ihren Weg zu einer besseren Kundenkommunikation vor. Im Mittelpunkt dabei stehen KI-Lösungen, vor allem aber soll auf allen Kanälen künftig gleichzeitig dieselbe Information verbreitet werden, damit die Fahrgäste bei ihren Reisen nicht durch unterschiedliche Anzeigen verwirrt und frustriert werden.
Dass es bei den langfristigen Lösungen, die irgendwann auch zu mehr Pünktlichkeit führen sollen, im Moment nicht richtig rund läuft, konnte damit aber kaum kaschiert werden. Die Strecke Nürnberg-Regensburg, die seit Februar voll gesperrt und modernisiert wird, soll nicht wie geplant an diesem Freitag wieder in Betrieb gehen, sondern erst drei Wochen später am 31. Juli. Schon bei der Sanierung Hamburg-Berlin kam es zu Verzögerungen von mehreren Wochen.
Palla: Sanierungskonzept kommt auf den Prüfstand
Palla will deshalb das Konzept der sogenannten Generalsanierungen überarbeiten. Sie habe entschieden, dass «die Art und Weise, wie wir mit der Korridorsanierung umgehen, wie wir planen, wie wir umsetzen, wie wir in Betrieb nehmen» noch mal umfassend auf den Prüfstand gestellt werde, sagte die Bahnchefin bei dem gemeinsamen Auftritt mit dem Verkehrsminister.
Die Deutsche Bahn will bis Mitte der 2030er Jahre rund 40 besonders wichtige Strecken grundlegend sanieren und so dafür sorgen, dass es auf der Schiene wieder pünktlicher und zuverlässiger zugeht. Doch die aufwendigen Bauarbeiten mit mehrmonatigen Sperrungen der jeweiligen Strecken bedeuten stets erhebliche Einschränkungen für die Fahrgäste und die Wettbewerber im Güterverkehr.
Schnieder: Wie machen wir das Konzept für alle erträglich?
Besonders ärgerlich sind dann Verzögerungen bei der Wiederinbetriebnahme, wie die Bahn sie jetzt zum zweiten Mal bei einer solchen Sanierung verkünden musste. Vor Nürnberg-Regensburg musste dieses Jahr bereits die vollständige Wiederinbetriebnahme von Hamburg-Berlin um mehrere Wochen verschoben werden.
Der Verkehrsminister betonte, dass nach jeder solchen Sanierung vor allem die Kosten und Zeitabläufe evaluiert und kritisch betrachtet würden. «Und wir haben nun Anlass, das sehr sorgfältig zu tun», sagte der CDU-Politiker. Das Konzept grundsätzlich infrage stellen wolle er nicht.
Die Frage sei aber, «wie müssen wir das Konzept insgesamt ausgestalten, damit es für alle erträglich wird». Er sprach dabei auch den Güterverkehr an, der bei Verzögerungen mit großen Auswirkungen rechnen muss - was wiederum auf die belastete deutsche Wirtschaft durchschlagen kann.