Baden-Württemberg hat gewählt - was man jetzt wissen muss
Autor: Nico Pointner und David Nau, dpa
, Sonntag, 08. März 2026
Die Ära Winfried Kretschmann endet - nach 15 Jahren. Der Wahlkampf in Baden-Württemberg war ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss. Was folgt aus dem Wahlergebnis und wie geht es im Land weiter?
Lange sah es so aus, als wäre die Wahl schon gelaufen. Doch zum Ende hin wurde es spannend wie selten zuvor. Baden-Württemberg hat gewählt - der Auftakt in ein Superwahljahr mit fünf Landtagswahlen. Und es bleibt spannend. Was man jetzt wissen muss:
Grüne nach starker Aufholjagd vorn
Spitzenkandidat Cem Özdemir hat mit seiner Partei möglich gemacht, was über lange Zeit unmöglich schien: Der begnadete Rhetoriker hat laut den Hochrechnungen von ARD und ZDF im Schlussspurt den Christdemokraten den sicher geglaubten Wahlsieg vor der Nase weggeschnappt. Die Grünen liegen laut ARD und ZDF bei 31,6 bis 31,8 Prozent. In ihrer Wahlkampagne setzten sie alles auf die Bekanntheit ihres Spitzenkandidaten - den Namen der Partei musste man auf den Plakaten mit der Lupe suchen. Die Strategie hat sich ausgezahlt: Özdemir dürfte Nachfolger von Langzeit-Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) werden - und damit der erste Regierungschef mit türkischen Wurzeln und der zweite Grüne überhaupt in diesem Amt.
CDU verpasst Einzug in Staatskanzlei
Die Siegesgewissheit war monatelang groß bei der CDU, umso schwerer wiegt die Ernüchterung: Die Christdemokraten liegen laut den Hochrechnungen bei 29,6 bis 30,2 Prozent - und verpassen das vierte Mal nacheinander den Einzug in die Staatskanzlei. Knapp 60 Jahre regierte die CDU von der Villa Reitzenstein aus das konservative Baden-Württemberg. Dann kam 2011 Kretschmann - und die einst stolzen Christdemokraten mussten zunächst in die Opposition und dann in die ungeliebte Rolle des Juniorpartners der Grünen schlüpfen.
Spitzenkandidat Manuel Hagel sollte das Comeback der Südwest-CDU verkörpern. Beinahe wäre er der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte des Landes geworden - nun muss er verantworten, auf den letzten Metern einen massiven Umfrage-Vorsprung verspielt zu haben. Das mag auch an den Videoclips liegen, die derzeit im Netz tausendfach geklickt werden - und in denen Hagel keine gute Figur macht. Er kündigte vor Anhängern bereits an, die Verantwortung für das Ergebnis zu tragen.
Beben bei der SPD
Die Sozialdemokraten erleben ein absolutes Wahldebakel - und stehen deshalb nun vor personellen Umbrüchen. Landespartei- und Fraktionschef Andreas Stoch will zurücktreten. Seine Partei hatte den Hochrechnungen zufolge ihren Stimmenanteil im Vergleich zur Landtagwahl 2021 quasi halbiert: auf 5,5 beziehungsweise 5,4 Prozent. Bei der letzten Landtagswahl 2021 waren es noch 11,0 Prozent gewesen.
Der 56 Jahre alte Rechtsanwalt Stoch war in der grün-roten Koalition von 2013 bis 2016 Kultusminister von Baden-Württemberg. Die SPD-Landtagsfraktion hatte er seit 2016 geleitet. Zwei Jahre später wählten die Genossen den Vater von vier Kindern auch zum Landesparteivorsitzenden. Der ehemalige Kultusminister hatte seine Partei nach zehn Jahren Opposition wieder in die Regierung führen wollen. Wer Stoch nachfolgen könnte, ist noch ungewiss.
Der Landtag sortiert sich neu
Die Handwerker, die nach der Wahl im Plenarsaal in Stuttgart die Tische und Stühle der Abgeordneten neu anordnen, können sich auf größere Umbauarbeiten einstellen.