Backstationen boomen – viele Bäckereien müssen kämpfen
Autor: Christian Rothenberg, dpa
, Mittwoch, 08. Juli 2026
Brötchen vom Bäcker oder aus der Backstation von Rewe oder Lidl? Die Konkurrenz setzt klassischen Bäckereien zu. Dabei kaufen viele Kunden dort nach wie vor lieber ein.
Es duftet nach frisch Gebackenem. Körnerbrötchen, Croissants, Franzbrötchen, Brote, Quarkbällchen und Pizzastücke liegen in den Regalen. Mit einer Zange angelt eine Kundin das Gebäck aus den Fächern und legt es in eine Tüte.
Die Menschen in Deutschland kaufen Brot, Brötchen und andere Backwaren immer häufiger im Supermarkt oder beim Discounter statt in klassischen Bäckereien. Das zeigt eine Auswertung des Marktforschungsunternehmens YouGov. Bäckereien haben in den vergangenen Jahren demnach Marktanteile eingebüßt.
Der Lebensmitteleinzelhandel biete längst nicht mehr nur einfache Brötchen und Brot an, sondern auch Croissants, süße Teilchen, Donuts oder Snacks für zwischendurch, sagt YouGov-Marktforscherin Katja Trieschmann. «Damit deckt er heute genau jene Genuss- und Spontankäufe ab, die früher stärker mit der klassischen Bäckerei verbunden waren.»
Pro Tag laufen bis zu Millionen Brötchen vom Band
Supermärkte und Discounter haben ihr Angebot in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Viele Filialen sind inzwischen mit Backstationen («bake off») ausgestattet, bei einzelnen Ketten sogar nahezu alle. Laut YouGov entfielen im ersten Quartal bereits 70 Prozent der in Deutschland verkauften Mengen an Brot und anderen Backwaren auf den Lebensmitteleinzelhandel. In der Regel werden die Teiglinge angeliefert und in den Filialen aufgebacken.
Teilweise kommt die Ware aus der Industrie, etwa von Unternehmen wie Lieken oder Harry. Teilweise stellen die Händler sie selbst her. Bei der Großbäckerei Bonback laufen nach eigenen Angaben bis zu zehn Millionen Brötchen pro Woche vom Band.
Das Tochterunternehmen der Schwarz-Gruppe produziert für Lidl und Kaufland. Ihr Sortiment umfasst mehr als 40 Backwaren. Auch die Supermarktkette Edeka hat eigene Großbäckereien. Die Filialen von Aldi Süd werden hingegen von regionalen Bäckereien beliefert.
Preisunterschied macht Backstationen attraktiv
Werden die klassischen Bäckereifilialen in Supermärkten dann überhaupt noch benötigt? Backstationen sollen diese nicht ersetzen, betont ein Edeka-Sprecher. Bäckereifilialen in der Vorkassenzone gehörten für die meisten Märkte zum festen Bestandteil des Konzepts.