Bodensee: Neue Wartelisten-Gebühr für Bootsliegeplätze sorgt für Ärger
Autor: Stefan Lutter
Bregenz, Freitag, 09. Januar 2026
Am Bodensee herrscht großer Andrang auf Bootsliegeplätze. Neue Regelungen und Diskussionen rund um Gebühren sorgen für viel Gesprächsstoff in der Region.
Die Idylle des Bodensees ist für viele Bootsbesitzer ein Traum – doch dieser wird zunehmend zum Geduldsspiel. Mit über 52.000 zugelassenen Booten und nur 28.000 Liegeplätzen herrscht akuter Platzmangel. Wartezeiten von bis zu 25 Jahren sind keine Ausnahme, und jetzt sorgt eine neue Gebührenregelung in Bregenz zusätzlich für Aufregung. Bootsbesitzer, die auf einen Platz hoffen, müssen zahlen, um überhaupt auf der Warteliste zu bleiben – ohne Garantie, dass sie jemals einen Liegeplatz erhalten. Kritiker sprechen von Abzocke, während Befürworter die Maßnahme als fair und effizient verteidigen.
Die Situation ist angespannt, und der Streit um die Gebühren hat längst auch die sozialen Medien erreicht. Während die Debatte um Gerechtigkeit und Verwaltungsaufwand tobt, bleibt die Frage offen: Wie kann der Platzmangel am Bodensee nachhaltig gelöst werden? Vorschläge wie der Ausbau von Häfen oder die Einführung transparenter Gebühren stehen im Raum, doch die Bootsbesitzer fühlen sich zunehmend unter Druck gesetzt.
Platzmangel am Bodensee: 25 Jahre warten auf einen Bootsplatz?
Der Bodensee, der sich über Deutschland, Österreich und die Schweiz erstreckt, zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen Europas, insbesondere bei Wassersportlern und Touristen. Laut Schwäbische Zeitung sind über 52.000 Boote auf dem See zugelassen, während nur etwa 28.000 Liegeplätze verfügbar sind, was zu einem erheblichen Platzmangel und langen Wartelisten führt.
Vornehmlich am deutschen Ufer des Bodensees ist der Mangel an Bootsliegeplätzen besonders groß. Wie der SWR berichtet, gibt es hier doppelt so viele registrierte Boote wie verfügbare Liegeplätze. Auch auf der österreichischen und schweizerischen Seite des Sees ist die Situation angespannt: Der Platzmangel liegt je nach Region zwischen 3 und 25 Prozent, und Wartezeiten von bis zu 25 Jahren sind keine Seltenheit.
Die Bodensee-Stadt Bregenz in Österreich hat kürzlich eine sogenannte Evidenzhaltungsgebühr eingeführt, die Bootseigner jährlich 30 Euro kostet, um auf der Warteliste für einen Liegeplatz zu bleiben. Laut offiziellen Informationen der Stadt Bregenz verwaltet die Stadt zwei Hafenanlagen: den Sporthafen mit 391 Wasserliegeplätzen, von denen 140 für Motorboote mit mehr als 15 PS reserviert sind, und den Gondelhafen. Die Einführung der Gebühr soll die Verwaltungskosten decken und Einnahmen von bis zu 45.000 Euro jährlich generieren.
Neue Gebührenregelung in Bregenz erhitzt die Gemüter
Die Regelung stößt auf gemischte Reaktionen. Kritiker werfen der Stadt Bregenz Abzocke vor, während andere, wie der Präsident des Bregenzer Segelclubs, die Maßnahme begrüßen. Urs Hämmerle erklärte laut Boote Magazin, dass die neue Gebühr die Warteliste verkleinern könnte, da nur ernsthafte Interessenten darauf bleiben würden. Allerdings räumte er im Gespräch mit dem österreichischen Nachrichtenportal Vorarlberg Online auch ein: "Ich weiß nicht, ob die Höhe der Gebühr gerechtfertigt ist. Ob hier wirklich so viel Verwaltungsaufwand entsteht, kann ich nicht beurteilen."
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Auf Facebook sorgt die Wartelisten-Gebühr für hitzige Diskussionen. Viele Nutzer reagierten kritisch und bezeichneten die Maßnahme als "Gier" und "Abzocke". Laut dem Boote Magazin werfen einige Bootsbesitzer der Stadt vor, mit der neuen Gebühr von 30 Euro jährlich lediglich zusätzliche Einnahmen generieren zu wollen, ohne den akuten Platzmangel zu lösen. Besonders die langen Wartezeiten von bis zu 25 Jahren sorgen für Frustration in den Kommentaren. Andere Nutzer verteidigen die Gebühr und argumentieren, dass sie dazu beitragen könnte, die Wartelisten zu verkleinern und effizienter zu gestalten.