51 Prozent weniger Asylbewerber
Autor: Basil Wegener, dpa
, Sonntag, 04. Januar 2026
Weniger Asylbewerber, mehr Abschiebungen – bei der Migration zeigt sich zum Jahresstart die härtere Gangart der Regierung. In der Diskussion sind weitere Verschärfungen.
Nach Deutschland kommen deutlich weniger Asylbewerber. Die Zahl der Erstanträge sank laut Bundesinnenministerium im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 um 51 Prozent, im Vergleich zu 2023 um 66 Prozent. Zehntausende Menschen – rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr – wurden abgeschoben. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) machte vor allem die Migrationswende der Bundesregierung für die sinkenden Zahlen verantwortlich. Die EU-Kommission meldete auch einen Rekord bei den Abschiebungen aus der Europäischen Union insgesamt.
2025 sank die Zahl der Erstanträge um mehr als 116.000 auf 113.236. 2024 lag die Zahl noch bei 229.751. 2023 waren es 329.120. Im Rekordjahr 2016 waren es laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 722.370 solcher Anträge. Damals hatten viele vor allem aus dem Bürgerkriegsland Syrien geflüchtete Menschen erst mit Verspätung einen Antrag stellen können – das Bundesamt war durch den großen Zuzug 2015 überlastet gewesen. Damals lag die Schutzquote bei über 60 Prozent. In Syrien tobte noch Krieg.
In den Folgejahren sank die Zahl der Erstanträge auf Asyl auf bis zu 102.581 2020, um dann zunächst wieder anzusteigen.
Warum die Asylzahlen sinken
Ein Grund für den Rückgang der Zahlen sind die Grenzkontrollen. Sie wurden ab Oktober 2023 von der damaligen Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) schrittweise eingeführt und von ihrem Nachfolger Alexander Dobrindt (CSU) intensiviert. Nach dem Ende der Ära des Langzeitmachthabers Baschar al-Assad kamen zudem weniger Syrerinnen und Syrer nach Deutschland. Auch Italiens restriktiverer Migrationspolitik werden Effekte zugeschrieben. Das gilt in umgekehrter Weise auch für Spanien, wo irreguläre Migrantinnen und Migranten mit Jobaussichten eine Aussicht auf Legalisierung haben.
Das Innenministerium führt den Rückgang auf die «Migrationswende» der Bundesregierung zurück: Sie zeige Wirkung. Dobrindt sagte: «Das klare Signal aus Deutschland heraus, dass sich die Migrationspolitik in Europa geändert hat, ist in der Welt angekommen.» Genannt werden unter anderem auch das Aussetzen des Familiennachzugs und das Ende der «Turboeinbürgerung».
Erste Abschiebungen im neuen Jahr
Schon zu Beginn des neuen Jahres hat die Bundesregierung auch ihre Abschiebungen fortgesetzt. Zwei afghanische Straftäter wurden nach Afghanistan gebracht. Eine Sprecherin bestätigte einen Bericht der «Bild» über die Rückführung eines in Bayern wegen schwerer Körperverletzung und Drogendelikten mehrfach verurteilten Mannes. «Bundespolizisten übergaben den Mann und konsularische Papiere auf dem Flughafen an Taliban-Offizielle», hatte die Zeitung berichtet.
Angewendet worden ist laut dem Blatt ein neu etablierter Mechanismus der Einzelabschiebung – laut der Sprecherin nun zum dritten Mal. 2025 wurden ihr zufolge 83 Straftäter nach Afghanistan zurückgeführt. «Es ist geplant, dass Rückführungen nach Afghanistan und Syrien regulär und regelmäßig mit Linienflügen stattfinden sollen.» Mit weiteren Rückführungen sei zu rechnen.