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Asberg: 18-Jähriger stirbt durch Schüsse mitten in Kleinstadt - Drei weitere Verdächtige in U-Haft


Autor: Agentur dpa

Ludwigsburg (Württemberg), Dienstag, 11. April 2023

Das beschauliche Städtchen Asperg im Strohgäuwird am Karsamstag von einer Gewalttat erschüttert. Es fallen Schüsse, es gibt einen Toten und einen Schwerverletzten. Am Abend wurde ein Mann festgenommen, am Ostersonntag wurde gegen ihn Haftbefehl erlassen. Am Dienstag gab die Polizei bekannt, dass sich drei weitere Personen in Untersuchungshaft befinden.
10.04.2023, Baden-Württemberg, Asperg: Ein Einschussloch ist an einem PKW zu sehen. In in der Nacht zum Samstag wurde eine 18-Jähriger erschossen und ein Gleichaltriger durch Schüsse schwer verletzt. Ein Verdächtiger wurde inzwischen fest genommen. Foto: Andreas Rosar/dpa


Nach den tödlichen Schüssen auf einen 18-Jährigen im baden-württembergischen Asperg hat ein Spezialeinsatzkommando der Polizei einen Mann, sowie drei weitere Verdächtige festgenommen. Spezialeinheiten hätten am Montag zwei 17-Jährige sowie einen 27 Jahre alten türkischen Staatsbürger festgenommen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilten. Die Verdächtigen seien am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt worden, sie befänden sich inzwischen in Untersuchungshaft. Ihnen werde Totschlag sowie versuchter Totschlag vorgeworfen, teilten die Behörden mit.

Bereits am Samstag war ein 20-jähriger Serbe festgenommen worden. Wie ein Polizeisprecher am Sonntag (9. April 2023) weiter sagte, wurde der Mann am frühen Samstagabend an einem Wohnhaus abgeführt. Es gebe einen Zusammenhang zu der Bluttat vom frühen Samstagmorgen, bei der ein 18-Jähriger getötet und ein weiterer 18-Jähriger schwer verletzt worden waren. 

Update vom 11.4.2023, 18.05 Uhr: Drei weitere Verdächtige in U-Haft

Ursache für die Tat ist nach ersten Erkenntnissen der Ermittler ein Streit. Man gehe davon aus, dass ein «lokaler Konflikt untereinander» zu der Tat geführt haben könnte. «Zu den Hintergründen des Konfliktes dauern die Ermittlungen noch an», sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag in Stuttgart.

Ein weiterer 18-Jähriger, der bei der Tat schwer verletzt wurde, befindet sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft weiter in einem Krankenhaus. Er sei nicht in Lebensgefahr, außerdem ansprechbar und auch vernehmungsfähig, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag in Stuttgart. Ob er bereits Angaben zu der Tat gemacht hat, konnte der Sprecher nicht sagen.

Die Tat hatte sich in der Nacht zu Karsamstag nach Mitternacht auf einem Schotterparkplatz in der 13 700-Einwohner-Stadt nördlich von Stuttgart ereignet. In den vergangenen Wochen hat es rund um die baden-württembergische Landeshauptstadt immer wieder Vorfälle mit Schüssen auf Menschen gegeben, mehrere wurden dabei beispielsweise in Plochingen verletzt.

Update vom 9.4.2023, 17 Uhr: 20-Jähriger in Untersuchungshaft

Auch am Tag nach der Bluttat waren auf dem Schotterparkplatz mitten in Asperg (Landkreis Ludwigsburg/Baden-Württemberg) noch Ermittler unterwegs. Beamte von Kriminalpolizei und Landeskriminalamt sammelten, teilweise in weiße Schutzanzüge gekleidet, Gegenstände vom Boden auf und verpackten sie in kleine Plastiktüten. Eine Blutlache auf dem Parkplatz zeugt von der Gewalttat, die in der Nacht zum Karsamstag in dem Städtchen bei Ludwigsburg in der Region Stuttgart passierte. Auch am Morgen des Ostersonntags blieben viele Fragen offen. 

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Nach den tödlichen Schüssen in Asperg nördlich von Stuttgart ist ein festgenommener Verdächtige in Untersuchungshaft gekommen. Ein Richter erließ Haftbefehl gegen den 20-Jährigen wegen Totschlags und versuchten Totschlags, wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Ostersonntag (9. April 2023) mitteilten. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hatte den Serben demnach am frühen Samstagabend festgenommen. Seine Wohnung wurde durchsucht, wie es hieß. Bei dem polizeibekannten Mann wurden Beweismittel sichergestellt, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte. Ob die Tatwaffe dabei war, ließ er offen.

Der 20-Jährige steht im Verdacht, in der Nacht zum Samstag einen 18-Jährigen inmitten der beschaulichen Kleinstadt Asperg im Kreis Ludwigsburg erschossen und einen Gleichaltrigen durch Schüsse schwer verletzt zu haben.

Details zum Hergang der Tat waren auch am Sonntag von den Behörden nicht zu erfahren. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft verwies auf ermittlungstaktische Gründe. So blieb auch offen, ob sich Verdächtiger und die Opfer kannten und ob es vorher möglicherweise einen Konflikt zwischen den jungen Männern gab. Auch was zur Festnahme des 20-Jährigen führte, dazu schwiegen die Ermittler.

Erstmeldung: Was geschah in Asperg? Viele offene Fragen nach tödlichen Schüssen

Staatsanwaltschaft und Polizei Ludwigsburg zeigten sich zugeknöpft und gaben kaum Informationen zu dem Fall bekannt. Nur so viel: Es fielen kurz vor 1.00 Uhr in der Nacht zum Samstag (8. April 2023) Schüsse, ein 18-Jähriger starb, ein anderer 18-Jähriger überlebte schwer verletzt. Zahlreiche Menschen alarmierten die Polizei, nachdem die Schüsse durch die Nacht hallten, wie ein Sprecher sagte.

Details zum Hergang der Tat oder zu möglichen Verdächtigen waren am Samstag von den Behörden nicht zu erfahren. Die Ermittler erhofften sich aus der Bevölkerung Hinweise auf mögliche Fluchtfahrzeuge. In der Nacht sei umfangreich nach Verdächtigen gefahndet worden, erklärten Staatsanwaltschaft und Polizei in einer knappen Mitteilung am Samstagmorgen. Dabei sei auch ein Polizeihubschrauber eingesetzt worden.

Eine Sonderkommission wurde gegründet, um den Fall möglichst schnell aufzuklären. Die 40 Beamtinnen und Beamten der Soko "Goethe" würden durch das Landeskriminalamt unterstützt.

Zusammenhang mit anderen Schüssen in der Region?

Asperg liegt rund 20 Kilometer von Stuttgart entfernt. In den vergangenen Wochen hatte es rund um die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg immer wieder Vorfälle mit Schüssen auf Menschen gegeben. Am Donnerstag wurde bekannt, dass zwei junge Männer nach Schüssen auf einen Gastwirt in Plochingen (Landkreis Esslingen)
festgenommen wurden. Das Landeskriminalamt hatte eine Ermittlungsgruppe gegründet, nachdem sich ähnliche Vorfälle in den vergangenen Wochen in der Region Stuttgart/Göppingen gehäuft hatten. Es gab mehrere Verletzte. Die gemeinsame Untersuchung soll helfen, Zusammenhänge zu erkennen.

Im jüngsten Plochinger Fall hatten die Fahnder den Angaben nach schon am Tattag Erfolg und konnten die Männer festnehmen. Die 22-Jährigen seien dann am Montag in Untersuchungshaft gekommen. Sie sollen mehrfach auf die Gaststätte geschossen haben. Deren 34 Jahre alter Besitzer wurde verletzt. Er konnte das Krankenhaus schnell wieder
verlassen. Erst am 25. Februar war ebenfalls in Plochingen ein anderer Gastwirt angeschossen worden. Der Mann war wohl aber eher ein Zufallsopfer: Der 66-Jährige hatte nach damaligen Angaben nachts mit Gästen das Lokal verlassen, weil Geräusche von zerbrechendem Glas zu hören gewesen waren. Als die Gruppe zwei maskierte Personen vor einem
beschädigten Fenster eines Friseurgeschäftes bemerkte, sprach sie die Verdächtigen an. Daraufhin habe einer der beiden Unbekannten geschossen - und den 66-Jährigen getroffen. Er wurde schwer verletzt.

Ende Februar war zudem aus einem fahrenden Auto heraus auf eine 21-Jährige in Eislingen/Fils (Landkreis Göppingen) geschossen worden. Sie wurde am Bein verletzt. Mitte März schossen dann Unbekannte in Stuttgart einen 32-Jährigen an. Ebenfalls im vergangenen Monat wurde ein Mann in Hattenhofen (Landkreis Göppingen) angeschossen. Zu möglichen Zusammenhängen der Taten äußerten sich Staatsanwaltschaft und Polizei bislang nicht. Ermittelt werde in alle Richtungen.

Aspergs Bürgermeister äußert sich zur Tat

Nach Angaben von Aspergs Bürgermeister Christian Eiberger (parteilos) steht die Bevölkerung der Stadt nach der Tat unter Schock. "Das ist eine neue Dimension von Gewalt, die ich mir nicht hätte vorstellen können", sagte Eiberger. Der Tatort befinde sich mitten im Ort der Stadt, die rund 13.000 Einwohner zählt.

Der Tatort, ein Schotterparkplatz, sei nicht als typischer Treffpunkt für junge Leute bekannt gewesen, sagte Eiberger. Er sei in der Nacht von der Feuerwehr alarmiert worden und habe sich in den frühen Morgenstunden ein Bild von der Lage gemacht. Er hoffe nun auf einen schnellen Fahndungserfolg der Polizei. Es sei wichtig, dass das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung wieder hergestellt werde.