«Kein Antisemitismusproblem»
Parteichef van Aken sagte auf entsprechende Fragen bei einer Pressekonferenz, er respektiere Büttners Schritt und «bedaure das natürlich sehr». Zugleich meinte er, dass die Linke ein Antisemitismusproblem in den eigenen Reihen verkenne, «das kann ich so nicht stehen lassen». Die Partei stelle sich klipp und klar gegen Antisemitismus.
Der ursprüngliche Zionismus-Antrag aus Niedersachsen sei entscheidend verändert worden und richte sich nicht gegen Zionismus allgemein, fügte er hinzu. Der Begriff beschreibt in der Regel die im 19. Jahrhundert begonnene Bewegung, einen eigenen Staat für Juden in Palästina zu gründen. Laut van Aken ging es den niedersächsischen Genossen um den «heute real existierenden Zionismus» der israelischen Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.
Der Parteichef sagte, die Wortwahl - auch die Worte Genozid und Apartheid - bewege sich im Korridor der Beschlüsse der Bundespartei, die sich für eine Zwei-Staaten-Lösung, für ein Existenzrecht Israels und gegen Antisemitismus ausspricht. Gleichwohl räumte van Aken ein: «Dieser Beschluss hat eine grobe Schlagseite, deshalb finde ich ihn nicht gut.»
Parteispitze in der Klemme
Van Aken ist damit zum wiederholten Mal in der Klemme dieser innerparteilichen Debatte: Viele, vor allem viele junge Mitglieder fordern mehr Unterstützung für die Palästinenser. Dabei lassen sie sich auch davon nicht bremsen, dass ihre Wortwahl von jüdischen Deutschen als antisemitisch, verletzend, bedrohlich und gefährlich empfunden wird.
Ein paar Beispiele:
Die Jugendorganisation Solid hatte in einem Beschluss von einem «kolonialen und rassistischen Charakter des israelischen Staatsprojekts» gesprochen - eine Wortwahl, die die Parteispitze rügte.
Der Bürgermeisterkandidat der Linken in Berlin-Neukölln, Ahmed Abed, nannte den Bürgermeister aus Neuköllns israelischer Partnerstadt Bat Yam, Tzvika Brot, bei der Veranstaltung im Rathaus einen «Völkermörder».
Die Linke in Berlin-Neukölln plante eine propalästinensische Solidaritätsveranstaltung, zu der sich auch eine Gruppe ansagte, die laut Verfassungsschutz Bezug zur Hamas hat - also zu jener Islamistenmiliz, die den Terrorüberfall auf Israel vom 7. Oktober 2023 verübte, auf den Israel dann mit dem Gaza-Krieg reagierte.
Thema auch im Wahlkampf
In Berlin waren schon im Herbst 2024 wegen des Streits über den Nahostkonflikt und Antisemitismus mehrere prominente Mitglieder wie der frühere Kultursenator Klaus Lederer aus der Partei ausgetreten. Das Thema ist für die Linke auch eine offene Flanke im Berliner Wahlkampf, wo die CDU immer wieder auf Antisemitismus-Vorwürfe hinweist.
Beim Bundesparteitag der Linken im Juni in Potsdam steht das Thema erneut auf der Tagesordnung. Dort werde die Linke ihre «Position aktualisieren», kündigte Parteichef van Aken an.