Allianz: Hitze senkt Europas Wirtschaftsleistung
Autor: dpa
, Donnerstag, 24. Sept. 2026
Bei starker Hitze fühlen sich viele Menschen schlapp. Auch wenn nichts kaputtgeht, hat das laut Allianz dennoch erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft.
Die Hitzewelle dieses Sommers hat die europäische Wirtschaftsleistung für das laufende Jahr nach Schätzung der Allianz um 113 Milliarden Euro reduziert. Deutschland liegt dabei mit geschätzten Einbußen von 25 Milliarden auf Platz zwei hinter Italien mit 28 Milliarden Euro, wie der Münchner Dax-Konzern mitteilte. An dritter Stelle steht Frankreich mit einer geschätzten Minderung des Bruttoinlandsprodukts um 20 Milliarden Euro.
Bei großer Hitze wird weniger gearbeitet
Als wirtschaftliche Einbußen zählen dabei Produktionsausfälle und geringere Wertschöpfung, bedingt durch geringere Arbeitsproduktivität sowie längeren Pausen und Fehlzeiten. Die europaweiten Einbußen dürften sich demnach auf ein knappes halbes Prozent der für dieses Jahr erwarteten Wirtschaftsleistung summieren.
Beteiligt an dem erstmals berechneten «Climate Risk Tracker» waren die Volkswirte und Fachleute des international tätigen Kreditversicherers Allianz Trade in Hamburg und der deutschen Sachversicherung. Grundlage sind auf der einen Seite Wetter- und Schadendaten, auf der anderen die Modellierung der erwarteten ökonomischen Auswirkungen.
Neben der hitzebedingten Minderung der Wirtschaftsleistung stehen die tatsächlichen Schäden, die durch Unwetter, Überschwemmungen und andre Naturereignisse verursacht werden: Für Deutschland in den vergangenen fünf Jahren bezifferte die Allianz diese auf 50 Milliarden Euro.
Unwetter- und Naturkatastrophenschäden in Deutschland nehmen überdurchschnittlich zu
Die jährlichen Schäden waren demnach im Schnitt doppelt so hoch wie im Vergleichszeitraum der Jahre 2000 bis 2019. Im weltweiten Vergleich sind die Naturkatastrophenschäden jedoch laut Allianz nur um etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent) gestiegen. «Deutschland ist von klimabedingten Schäden besonders stark betroffen», sagte Frank Sommerfeld, Chef der Sachversicherung.
Eine maßgebliche Ursache sei, dass das in nördlichen Breiten gelegene Europa sich stärker erwärmt habe als andere Kontinente: An der Spitze der betroffenen Länder steht demnach Norwegen. In dem skandinavischen Land war die Durchschnittstemperatur 2025 den Angaben zufolge um gut 3,7 Grad höher als im Schnitt der Jahre 1950 bis 1970. Deutschland und Frankreich lagen mit einem Plus von gut 2 Grad im oberen Mittelfeld.
Bei der Höhe der Naturkatastrophenschäden spielen jedoch die Naturgewalten als solche keineswegs die alleinige Rolle. In dicht besiedelten Ländern mit hoher Wirtschaftskraft sind auch die Schäden höher als in dünn besiedelten Regionen, in denen sich weniger Fabriken, Wohnhäuser, Autos und andere menschengemachte Werte befinden.