Allianz: Ablenkung im Auto viel größere Gefahr als gedacht
Autor: dpa
, Mittwoch, 21. Oktober 2026
Ablenkung beim Autofahren kann laut Allianz in manchen Situationen gefährlicher sein als Alkohol am Steuer. Befördert wird die Gefahr nicht nur durch das Handy, sondern die Autos selbst.
Ismaning (dpa) - Ablenkung beim Autofahren spielt nach Einschätzung der Unfallforscher der Allianz eine weit größere Rolle bei Autounfällen als angenommen. Erhöht wird das Risiko durch die zunehmende Verbreitung der Digitaltechnik im Auto, schreiben die Fachleute des Münchner Dax-Konzerns in einer Studie zum alljährlichen «Autotag» des Unternehmens in Ismaning.
Dazu gehört auch die von vielen Autoherstellern praktizierte Einsparung von Bedienknöpfen, deren Funktionen in umständlich zu bedienende Touchscreen-Bildschirme verlagert werden.
Nicht nur das Mobiltelefon erhöht die Gefahr - auch das Auto selbst
«Mindestens 30 Prozent der Unfälle sind durch Ablenkung verursacht», sagte Christian Sahr, der Leiter des Allianz Zentrums für Technik (AZT). «Das Thema verschärft sich, weil Ablenkung durch Design im Auto quasi verbaut ist.»
Laut polizeilicher Unfallursachenstatistik würden um die 1,5 Prozent der Unfälle durch Ablenkung verursacht. «Aber das ist eine Zahl, die nicht mit der Realität übereinstimmt», sagte Sahr.
Das AZT gehört seit Jahrzehnten zu den etablierten Adressen der Verkehrssicherheitsforschung in Deutschland. In den 1970er Jahren trugen die AZT-Untersuchungen maßgeblich zur Einführung von Gurtpflicht und Helmpflicht für Motorradfahrer bei.
«Fahrertypen»: von aufmerksam bis abgelenkt und angetrunken
Grundlage der Einschätzung sind zum einen umfangreiche Computersimulationen des Fahrverhaltens in typischen gefährlichen Situationen, zum anderen die Auswertung von rund siebzig einschlägigen Studien aus aller Welt.
Die Allianz-Unfallforscher und das mit «kognitiver AI» auf Modellierung der Wahrnehmung spezialisierte Unternehmen Cognibit berechneten mit einer Vielzahl simulierter «Fahrertypen», wie stark sich das Unfallrisiko durch Ablenkung erhöht. Anlass der Simulationen war, dass reale Autodaten nur schwer Rückschlüsse zulassen, ob Fahrer abgelenkt waren. Modelliert wurde nicht nur Ablenkung, sondern auch die Auswirkung von Alkohol am Steuer.