Aida feiert 30 Jahre - wie lange hält die Sause an?
Autor: Lukas Müller, dpa
, Sonntag, 07. Juni 2026
Die Kreuzfahrt ist ein Massengeschäft geworden, auch dank der Rostocker Reederei Aida Cruises. Die Passagierzahlen steigen und steigen. Gleichzeitig setzen neue Auflagen die Branche unter Druck.
Aida Cruises feiert 30. Jubiläum, doch die Geschichte der Kreuzfahrtreederei lässt sich nicht auf das Jahr 1996 herunterbrechen. Sie reicht zurück bis in die DDR. Die Rostocker Reederei zelebriert das Jahr dennoch und schaltet Werbung, denn damals ist die «Aida» getauft worden, die die Marke bekanntmachte. Die «Aida» gilt als erstes deutsches Clubschiff - und sie veränderte hierzulande das Geschäft.
Der Kreuzfahrtforscher Alexis Papathanassis von der Hochschule Bremerhaven sagt, damals sei bezweifelt worden, dass sich die Cluburlaub-Idee auf See durchsetzen werde. «Animation auf dem Schiff, wer will das?», habe es geheißen. Das Aida-Vorgängerunternehmen sei das erste in Deutschland gewesen, das auf die Idee gesetzt habe: «Das war ein mutiger Schritt.»
Papathanassis zufolge waren Kreuzfahrten in Deutschland vor der «Aida» teuer, elitär, und die Angebote richteten sich an ein älteres Publikum. Das Schiff hat zu einem Prozess beigetragen, den er «Demokratisierung der Kreuzfahrt» nennt: Die einst elitäre Kreuzfahrt ist zu einem Massengeschäft geworden. In den USA gab es diese Entwicklung schon früher als in Deutschland.
Der Wandel der deutschen Kreuzfahrt lässt sich an den Passagierzahlen ablesen. Binnen 20 Jahren ist die Zahl der Passagiere, die eine Kreuzfahrt in Deutschland begonnen haben, von weniger als 200.000 auf mehr als 1,5 Millionen gestiegen. Vergangenes Jahr wurde ein Rekordwert erreicht.
Vom DDR-Betrieb zum Marktführer
Die Geschichte des Unternehmens Aida Cruises reicht bis zur Deutschen Seereederei zurück, der DDR-Staatsreederei. Diese betrieb Handelsschiffe, später auch Ferienschiffe. Nach der Wende privatisierte die Treuhandanstalt den Betrieb und verkaufte ihn an Hamburger Kaufleute.
Die vor 30 Jahren getaufte «Aida» prägte die deutsche Kreuzfahrt, weil sie neue Zielgruppen erschloss. Das Publikum war jünger als üblich. «Nur jeder sechste Aida-Gast unternahm zuvor schon einmal eine Seereise», heißt es in einem Text der «Zeit» von 1997. Das Schiff war aber nicht durchgängig ausgebucht und fuhr Berichten zufolge Verluste ein. Zeitweise war die «Aida» in fremdem Besitz.
Das heutige Unternehmen Aida Cruises wurde 1999 gegründet als ein Gemeinschaftsunternehmen der britischen Reederei P&O und der deutschen Arkona Touristik. 2003 kaufte dann der weltgrößte US-Kreuzfahrtkonzern Carnival die Reederei P&O, die die Mehrheit hielt, und damit auch Aida Cruises.