AfD vorne und Linken-Triumph: Der Wahlabend abseits der CDU
Autor: Jörg Ratzsch, Theresa Münch und Verena Schmitt-Roschmann, dpa
, Sonntag, 20. Sept. 2026
Zwei Landtagswahlen, zweimal liegen Parteien vorne, die nicht den Kanzler stellen. Was das für deren Politik im Bund bedeutet.
Als die Wahllokale um 18 Uhr schließen, blickt ganz Deutschland auf die Balken der CDU - und auf die ersten Worte von Bundeskanzler Friedrich Merz. Dabei spricht da nicht der Chef der Wahlsieger-Partei, sondern ein Verlierer. Die Sieger dagegen stehen in den ersten Minuten nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein Blick auf den Wahlabend abseits der CDU:
Der nächste AfD-Sieg
Die AfD hat an diesem Wahlsonntag einmal mehr Grund zum Jubeln: In Berlin verbessert sie ihr Ergebnis und gewinnt mehrere Prozentpunkte im Vergleich zur Wiederholungswahl von 2023 dazu. Der Zuwachs ist weniger stark als erhofft, aber das verblasst aus Sicht der Partei mit Blick auf Mecklenburg-Vorpommern: Hier hat die Partei ihren Wert mehr als verdoppelt.
Nach Thüringen und Sachsen-Anhalt geht die AfD damit im dritten Bundesland als Sieger vom Platz. Auch wenn Regierungsoptionen unwahrscheinlich sind, für die Partei ist der Wahlabend nach der Sachsen-Anhalt-Wahl und der Kommunalwahl in Niedersachsen der nächste Schub. Co-Parteichef Tino Chrupalla spricht in der ARD von einem sensationellen Ergebnis. Das gelte es zu feiern.
Fast genauso wichtig wie die eigenen Zahlen sind der AfD die Werte der CDU: Je schlechter, desto besser, da es langfristiges Ziel der AfD ist, die Union bundesweit zu verdrängen und selbst zur Regierungspartei zu werden.
In Mecklenburg-Vorpommern kämpfen die Christdemokraten mit der Fünf-Prozent-Hürde, in Berlin verlieren sie spürbar und müssen möglicherweise den Posten des Regierenden Bürgermeisters abgeben. «Das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern freut uns ganz gewaltig», sagt AfD-Chefin Alice Weidel. Sie erwartet, «dass der Kanzler Friedrich Merz aus unserer Perspektive nicht mehr zu halten sein wird, und das ist gut so, liebe Freunde.»
Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD fast 44 Prozent holte, hatte Weidel triumphiert: Die CDU werde «nie mehr wieder» eine Bundestagswahl gewinnen können. Die AfD dringt im Bund auf Neuwahlen - und würde davon voraussichtlich profitieren. Bei der Bundestagswahl im Februar vergangenen Jahres hatte sie ihr Ergebnis von 10,4 auf 20,8 Prozent verdoppelt, aktuell steht sie in den Umfragen bei bis zu 29 Prozent - die Union bei nur noch rund 20.
Die Linke gewinnt erstmals die Hauptstadt
Wahlsiegerin in Berlin - für die Linke ist das ein spektakulärer Erfolg. «Ab heute verändern wir gemeinsam unser Berlin und machen daraus einen besseren Ort», sagt Spitzenkandidatin Elif Eralp auf der Wahlparty. «In unserer Stadt hat die Liebe und die Gerechtigkeit über den Hass gewonnen und dieses Signal geht raus in die Welt.»