AfD vorn, SPD gerupft, CDU raus: Wie geht es weiter in MV?
Autor: André Ballin und Verena Schmitt-Roschmann, dpa
, Montag, 21. Sept. 2026
Dieser Wahlabend in Schwerin geriet zur Zitterpartie. Am Ende steht ein historisches Ergebnis, das die Parteienlandschaft durchrüttelt. Trotzdem dürfte die alte Regierungschefin auch die neue sein.
Im Wahlkampf schien alles klar. SPD oder AfD - ein Zweikampf der beiden größten Parteien in Mecklenburg-Vorpommern, die sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten. Doch der Ausgang des Wahlabends hing an zwei anderen Parteien: Am Bündnis Sahra Wagenknecht und an der CDU. Beiden fehlten am Ende wenige Stimmen zum Einzug in den Schweriner Landtag. Unterm Strich steht ein dramatischer Befund mit weitreichenden Folgen.
Im vorläufigen Endergebnis lag die AfD mit 38,2 Prozent an Nummer eins. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verpasste das Ziel, stärkste Kraft zu werden und kam auf 35,5 Prozent. Die Linke erreichte 6,5 Prozent, die Grünen 5,7 Prozent. Die CDU scheiterte erstmals in ihrer Geschichte bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde - mit 4,9 Prozent. Das erst 2024 gegründete BSW gewann zwar 4,8 Prozent, schaffte es aber auch nicht ins Parlament.
Was bedeutet das für die Regierungsbildung in MV?
Es reicht nicht mehr für die Fortsetzung des bisherigen rot-roten Bündnisses in Schwerin. Aber Schwesig kann wohl trotzdem weiter machen. Am wahrscheinlichsten ist die Bildung einer rot-rot-grünen Koalition. Ohne BSW und CDU im Landtag gibt es dort dafür eine Mehrheit. Die Grünen erklärten auch schon ihre Bereitschaft, sich an einer solchen Regierung zu beteiligen.
Der schlimmste Fall - ein Patt der verschiedenen politischen Lager und damit eine lange Hängepartie bei der Regierungsbildung - ist abgewendet, wenn auch nur knapp. Mit dem Einzug von BSW und CDU in den Landtag wäre eine Regierungsbildung wohl unmöglich geworden. Grund: Die CDU wollte nicht mit den Linken oder der AfD zusammenarbeiten. Und auch das BSW hätte wohl nur eine AfD-Regierung toleriert, für die es unter diesen Umständen aber auch nicht gereicht hätte.
Was bedeutet das für Schwesig?
Schwesigs Strategie der Zuspitzung eines Zweikampfs mit der AfD ist für sie aufgegangen - sie machte in den vergangenen Wochen einen sehr großen Rückstand gegen die Rechtsaußenpartei wett. «Was für eine Aufholjagd», jubelte die Ministerpräsidentin am Wahlabend. Doch genau diese Zuspitzung sei zulasten der Linken und der CDU gegangen, sagt der Rostocker Politikwissenschaftler Jan Müller.
Die Linke ist nun als Schwesigs Koalitionspartner geschwächt, die Grünen schafften es auch nur ganz knapp in den Landtag. Beide kleinen Parteien braucht die Ministerpräsidentin für eine Regierungsmehrheit, und beide sind über Schwesigs Wahlkampf wenig amüsiert. Sondierungen und Verhandlungen dürften einiges diplomatisches Geschick der Ministerpräsidentin erfordern. Auch die Regierungsarbeit wird komplizierter, muss Schwesig nun doch zwei Koalitionspartner mit ins Boot nehmen und weitere Kompromisse eingehen.
Was bedeutet das für die AfD?
Die Wahlsiegerin AfD ist sich sicher: «Wir haben hier den Regierungsauftrag.» So sagte es der Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, Leif-Erik Holm. Er kündigte auch an, alle Parteien einzuladen. Große Chancen dürfte das Gesprächsangebot aber nicht haben: Das BSW hatte als einzige Partei angekündigt, mit der AfD reden zu wollen. Aber die junge Partei ist ja nun nicht im Landtag.