Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt nach AfD-Sieg ungewiss
Autor: dpa
, Montag, 07. Sept. 2026
Die AfD gewinnt in dem Bundesland mit 43,8 Prozent, doch die weiteren Schritte sind schwierig. Was die Parteien jetzt planen und wie es weitergehen könnte.
Nach dem Wahlsieg für die AfD in Sachsen-Anhalt und dem Debakel für die CDU sprechen die Parteien über mögliche Folgen der Landtagswahl. In Berlin kommen unter anderem die AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zusammen. CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz will sich mit Sachsen-Anhalts Landesparteichef und Ministerpräsident Sven Schulze öffentlich äußern. Am Abend tagen in Magdeburg Landesvorstände mehrerer Parteien.
Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag mit großem Vorsprung gewonnen, die absolute Mehrheit aber verpasst. Die CDU kommt mit herben Verlusten auf Platz zwei. Das BSW hat es neben SPD, Grünen und Linken in den Landtag geschafft, die FDP hingegen ist rausgeflogen.
AfD will an die Macht - und sucht Unterstützung
Die AfD will regieren und dafür nach Partnern suchen. «Wir werden Gesprächsangebote an alle Parteien senden. Da wird man sehen, wer uns die Hand wegschlägt», sagte Chrupalla im ARD-«Morgenmagazin». Er appellierte auch an die CDU: «Ich meine, die CDU muss sich ja selbst hinterfragen, was und welche Konsequenzen sie aus diesem desaströsen Wahlergebnis zieht.»
Die Gespräche sollten noch in dieser Woche anlaufen. «Das ist erstmal unser Ziel, und ich gehe davon aus, dass wir auch mit Ulrich Siegmund einen Ministerpräsidenten haben, der auch im Sachsen-Anhaltiner Landtag gewählt wird.» Entscheidend sei, dass es einen Politikwechsel in Sachsen-Anhalt gebe.
Die AfD hatte vor der Wahl das Ziel einer Alleinregierung ausgegeben. Spitzenkandidat Siegmund sagte am Abend zum Abschneiden seiner Partei: «Natürlich ist es ein Regierungsauftrag.» Er sehe aktuell keine Partner für eine Koalition - wisse aber nicht, was in den nächsten Tagen passiere, ob eine Fraktion oder einzelne Abgeordnete ihre Meinung änderten. Eine Koalition mit der AfD hatten die übrigen Parteien im Landtag vor der Wahl ausgeschlossen.
Das BSW hat jedoch seine Bereitschaft bekräftigt, Siegmund ins Amt zu verhelfen. Sollte er sich zur Wahl stellen, dann werde das BSW sich in einem dritten Wahlgang im Landtag enthalten, sagte BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze im Deutschlandfunk. Sollte es mit einer Regierungsbildung nicht klappen, kommt aus Sicht von Siegmund auch eine Neuwahl infrage.
Das erste Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs könnte mit der AfD eine Partei in einem Bundesland an die Macht gelangen, die dort als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. Dies hat auch im Ausland für besondere Aufmerksamkeit gesorgt, die regionale Wahl schaffte es bis in die Top-Storys großer internationaler Medien.