AfD und BSW verhelfen in Sachsen Grünen-Antrag zur Mehrheit
Autor: dpa
, Donnerstag, 14. Mai 2026
Einen Grünen-Antrag zu kleinen Schlachtbetrieben wird im Landtag beschlossen, doch die Fraktion ist bestürzt: Zu verdanken hat sie das Ergebnis AfD und BSW. Wie kam es zu der ungewöhnlichen Mehrheit?
Ein Landtagsantrag der oppositionellen sächsischen Grünen zur Unterstützung kleiner Schlachtbetriebe hat unter anderem mit Hilfe der AfD eine Mehrheit bekommen - allerdings unbeabsichtigt, wie die Grünen versichern. Im Antrag beklagte die Ökopartei unter anderem, dass kleine Schlachtbetriebe durch die Gebühren für Fleischuntersuchungen im Vergleich zu Großbetrieben übermäßig belastet seien - gefordert wurde eine Gebührensenkung.
Die schwarz-rote Koalition in Sachsen, die keine eigene Mehrheit hat und mit Hilfe wechselnder Unterstützer regiert, stimmte am Mittwochabend gegen den Antrag der Grünen. Mit einer knappen Mehrheit von 55 zu 52 Stimmen ohne Enthaltungen wurde der Antrag angenommen. Auch dass die Linke anders als angekündigt gemeinsam mit CDU und SPD den Antrag ablehnte, änderte am Ergebnis der Abstimmung nichts.
Applaus von AfD und BSW nach Abstimmung
AfD und BSW reagierten mit Applaus. Bei der sieben Sitze starken Fraktion der Grünen machten sich betretene Gesichter breit.
Üblicherweise lehnen die anderen Parteien in Bund und Ländern eine Zusammenarbeit mit der AfD ab. Dazu gehört auch, keine Anträge einzubringen, die nur mit Hilfe der Rechtsaußen-Partei eine Mehrheit bekommen können. Die Grünen pochen dabei besonders mit Blick auf die Union auf die Einhaltung der sogenannten Brandmauer zur AfD.
Grüne reagieren «sehr bestürzt»
In Sachsen zeigten sich die Grünen im Anschluss an die Landtagssitzung «sehr bestürzt», wie es in einer Erklärung der Fraktionsvorsitzenden Franziska Schubert hieß. «Wir haben zu keinem Zeitpunkt eine Mehrheit mit der AfD und dem BSW für diesen Antrag gesucht.»
Bis zum Ende der Debatte hätten sich AfD und BSW im Landtag ablehnend zu den Forderungen der Grünen geäußert. «Am Ende haben AfD und BSW gemeinsam nur zugestimmt, um die demokratischen Fraktionen des Landtages vorzuführen», schrieb Schubert.
In der Debatte wiesen AfD und BSW auf vorherige eigene Anträge zu Schlachtbetrieben hin, denen die Grünen nicht zugestimmt hatten. Zudem warfen sie dem ehemaligen Grünen-Landwirtschaftsminister Wolfram Günther Untätigkeit während seiner Amtszeit vor. Günther fordere nun das, was er selbst versäumt habe, sagte Jörg Dornau (AfD). Dass seine Fraktion dem Antrag der Grünen später dennoch zustimmen würde, ließ Dornau in seinen beiden Redebeiträgen nicht erkennen.