AfD-Sieg, Streit und miese Umfragen: Merz unter Druck
Autor: Martina Herzog, dpa
, Sonntag, 13. Sept. 2026
Für Kanzler Friedrich Merz und seine Partei läuft es nicht. Die AfD sitzt ihnen im Nacken. Schon in einer Woche droht der CDU in Mecklenburg-Vorpommern das nächste Wahldebakel. Wie reagiert Merz?
Für die schwarz-rote Koalition und insbesondere Kanzler Friedrich Merz (CDU) sind es verheerende Umfragewerte: Nur noch 14 Prozent der Menschen in Deutschland halten ihn noch für den richtigen Regierungschef, 78 Prozent tun das nicht, wie eine Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag von «Bild» ergeben hat. Selbst eine Mehrheit der Unionswähler lehnt Merz ab.
Ein aus Regierungssicht ähnlich ernüchterndes Bild zeichnet eine weitere Insa-Umfrage für «Bild». Die AfD kommt darin auf 29 Prozent, ein Plus von einem Punkt gegenüber der Vorwoche. Die Union bleibt bei 20 Prozent und liegt damit neun Punkte zurück. Die SPD landet bei 13 Prozent.
Der Kanzler will besser erklären
Nach der krachenden Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt, wo die AfD mehr als doppelt so viele Stimmen holte wie die CDU, hatte Merz Fehler eingeräumt und versprochen, die Politik der Bundesregierung besser erklären zu wollen. Man müsse «die Menschen auch in ihrer ganzen Emotionalität» stärker erreichen.
Eine Rede am Mittwoch im Bundestag verwendete Merz allerdings vor allem darauf, sich an der AfD abzuarbeiten, der er auch mit Blick auf den von ihr verwendeten Begriff «Remigration» vorwarf, «ethnische Säuberung» nach Herkunft und Hautfarbe betreiben zu wollen.
Söder verteidigt Merz – aber ziemlich kühl
Eine Woche vor den nächsten Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin stellen wichtige Vertreter von CDU und CSU Merz zwar nicht offen in Frage. Auffällig leidenschaftslos verteidigt allerdings Dauerkonkurrent Markus Söder den Kanzler. Auf die Frage, ob Merz noch der richtige Mann sei, entgegnet der CSU-Chef in einem «Bild»-Interview knapp: «Ja, er steht zu den Reformen.»
Auf Nachfrage lässt der bayerische Ministerpräsident wissen, etwaige Alternativen stünden ja vor den gleichen Problemen. Die CSU werde den Kanzler nicht stürzen. «Für die CDU bin ich nicht zuständig, da bin ich nicht der Vorsitzende.»
Ärger in Sachsen
Sächsische CDU-Politiker machen aus ihrem Unmut über Merz derweil keinen Hehl und verlangen Veränderungen. Der Bundestagsabgeordnete Florian Oest forderte im «Handelsblatt» eine «Agenda 2030», bei der gelten müsse: «Sozial ist, was Wirtschaft stärkt». «Ob Bundeskanzler Friedrich Merz die Kraft für diesen Aufbruch hat, muss er zunächst einmal selbst entscheiden», betonte er. «Ein CDU-Kanzler muss dem Land Orientierung geben und die Probleme konkret lösen.»