Die AfD und ihr 100-Tage-Plan für Sachsen-Anhalt
Autor: Christopher Kissmann, dpa
, Samstag, 11. Juli 2026
Jubel für Ulrich Siegmund, Vorwürfe gegen die CDU und ein 100-Tage-Plan mit radikalen Forderungen – was die AfD in Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl vorhat.
Der Parteitag in Magdeburg plätschert ein wenig vor sich hin. Die Vorstellung des 100-Tage-Programms ist durch, die meisten Posten im Landesvorstand sind vergeben – alles ist professionell vorbereitet. Doch als AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund als Beisitzer in den Vorstand gewählt wird, kommt Jubelstimmung im Saal auf. 99,5 Prozent Zustimmung – ein Traumergebnis für den 35-Jährigen, der im Herbst die erste AfD-Regierung in Deutschland führen möchte.
Siegmund legt in Magdeburg dar, wie er sich Sachsen-Anhalts Zukunft vorstellt: Rundfunkstaatsverträge kündigen, mehr Abschiebehaftplätze, flächendeckende Arbeitspflicht für Asylbewerber, Förderung von Führerscheinen - all das steht in seinem 100-Tage-Programm. «Die Leute möchten den politischen Wandel», sagt Siegmund. «Aber diese Wahl ist noch nicht gewonnen. Diese Demut sollten wir in uns tragen.»
AfD-Landeschef wirft Schulze Lügen vor
Während sich Siegmund teilweise staatstragend gibt, attackiert AfD-Landeschef Martin Reichardt die politische Konkurrenz. Er wirft Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) Lügen vor. Schulze wisse genau, dass er lüge, wenn er eine Zusammenarbeit mit den Linken ausschließe. «Denn ohne die Linken hat Herr Schulze überhaupt keine Chance auf irgendwelche Mehrheiten», sagt Reichardt. «Unsere historische Aufgabe ist es, diese Mehrheit aus Deutschlandhassern und machtgierigen Unionsspießern zu verhindern.»
In Umfragen lag die AfD zuletzt deutlich vor der CDU. Die Koalition aus CDU, SPD und FDP könnte ihre Mehrheit im September verlieren. Die AfD strebt eine Alleinregierung an. Alternativ kommt eine CDU-geführte Minderheitsregierung in Betracht, die gegebenenfalls punktuell mit den Linken zusammenarbeiten müsste.
«Eine gut geölte Hochleistungsmaschine»
Die AfD nutzt dieses Szenario für ihre Zwecke. Viele Redner auf dem Parteitag wiederholen mantraartig die Darstellung, dass man die einzig echte Alternative zu den anderen Parteien sei. «Wenn wir so weitermachen, dann kann uns nichts aufhalten», sagt Parteivize Hans-Thomas Tillschneider.
In Sachsen-Anhalt wird die AfD vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Dennoch ist die Partei in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, der Landesverband hat inzwischen rund 3.500 Mitglieder. Man sei nun «eine gut geölte Hochleistungsmaschine», sagt der AfD-Innenpolitiker Matthias Büttner.
Kontroversen bleiben ohne Folgen
Das hat auch mit personeller Kontinuität zu tun. Martin Reichardt, seit 2018 Landesvorsitzender, wird mit rund 89 Prozent Zustimmung wiedergewählt. Auch seine Stellvertreter Tillschneider (86 Prozent) und Co-Fraktionschef Oliver Kirchner (90) erhalten gute Ergebnisse. Zum Generalsekretär wird Tobias Rausch gewählt (80).