AfD-Parteitag in Erfurt: Darum geht es am Wochenende
Autor: Jörg Ratzsch und Stefan Hantzschmann, dpa
, Donnerstag, 02. Juli 2026
In Erfurt trifft sich die AfD zum Bundesparteitag. Gegner wollen das Treffen mit Blockaden verhindern, es wird ein Großeinsatz für die Polizei. Ein Blick auf das anstehende Wochenende.
Bis zu 600 Delegierte der AfD wollen sich am Samstag und Sonntag in der Messe Erfurt zu einem Bundesparteitag versammeln. Bei dem Treffen soll die Führungsspitze der Partei neu gewählt werden. Die Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla dürften im Amt bestätigt werden. Spannend wird die zweite Reihe. Hier spielt Thüringens AfD-Chef Björn Höcke als Gastgeber in Erfurt eine wichtige Rolle.
Zahlreiche Protestaktionen sind angekündigt. «Wir müssen uns auf eine schwierige Lage einstellen», hatte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) vor wenigen Tagen gesagt.
Was ist an diesem Parteitag besonders?
Das Treffen ist anders als frühere Parteitage nicht von offenen Machtkämpfen in der Spitze geprägt. Die Rechtsaußen-Partei kann eine für sich ungewöhnlich starke Ausgangslage nutzen, um sich geschlossen zu präsentieren. Knapp eineinhalb Jahre nach der letzten Bundestagswahl hat sie die regierende Union deutlich überholt und liegt in Umfragen bundesweit bei fast 30 Prozent. In den ostdeutschen Bundesländern ist sie noch stärker. Nach dem Sommer stehen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin an. Erstmals könnte es in Deutschland zu einer AfD-Landesregierung kommen. Auch deshalb werden umfangreiche Proteste erwartet.
Worüber wird bei dem Treffen konkret entschieden?
Laut AfD-Satzung muss der Bundesvorstand der Partei alle zwei Jahre neu gewählt werden. Das ist jetzt der Fall. Neben den Posten der Parteichefs werden drei Stellvertreter und neun weitere Vorstandsmitglieder bestimmt. Auch wenn es dabei um der breiten Öffentlichkeit wenig bekannte Namen geht - wer sich hier durchsetzt, ist interessant, denn es gibt Hinweise darauf, welche Strömungen innerhalb der Partei an Einfluss gewinnen.
Sitzen Weidel und Chrupalla fest im Sattel?
Es gibt keine Gegenkandidaten und auch keine relevante Debatte in der Partei, die beide aktuell infrage stellen würde. Intern überwiegt die Auffassung, an der erfolgreichen Doppelspitze nichts zu ändern - auch mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen, für die der Parteitag gleichzeitig eine große Wahlkampf-Bühne bietet.
Gibt es Konkurrenz zwischen beiden?
Wenn, dann versuchen sie, diese nicht zu zeigen und beschwören immer wieder ihre gute Zusammenarbeit. So schreibt Chrupalla in einer Autobiografie, die kürzlich erschien, von «angenehmer Harmonie». «Nach vier Jahren gemeinsamer Arbeit an der Parteispitze darf ich durchaus sagen, dass ich Alice Weidel richtig gern habe.»
Für AfD-Beobachter interessant ist, wie groß die Zustimmung jeweils für Weidel und Chrupalla sein wird, als Gradmesser ihrer Rückendeckung in der Partei. Vor zwei Jahren in Essen lag Chrupalla mit knapp 83 Prozent Zustimmung leicht vor Weidel mit rund 80 Prozent, was sie damals nicht so lustig fand.