AfD feiert Umfragehoch in Sachsen-Anhalt
Autor: Christopher Kissmann, Dörthe Hein und Jörg Ratzsch, dpa
, Donnerstag, 07. Mai 2026
Die AfD erreicht in Sachsen-Anhalt laut einer Umfrage 41 Prozent und liegt deutlich vor der CDU. Was bedeutet das für den anstehenden Wahlkampf und die Chancen auf eine Alleinregierung?
Ulrich Siegmund auf 1, Sven Schulze auf 2 - bei einer Wahlarena der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt vor wenigen Tagen zog AfD-Spitzenkandidat Siegmund bei der Auslosung der Redner-Reihenfolge die 1. Den ganzen Abend lang stand das Schild mit der Zahl vor dem Mann, der Sven Schulze (CDU) das Amt des Ministerpräsidenten abjagen will. Schulze kam jeweils nach seinem Herausforderer zu Wort. Die Auslosung war purer Zufall, zumal die Spitzenkandidaten von SPD, Grünen, FDP und Linken auch dabei waren. Doch das Bild mit der 1 vor Ulrich Siegmund bleibt.
Vier Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geht die AfD als Favorit ins Rennen. Laut der neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag von «Magdeburger Volksstimme», «Mitteldeutsche Zeitung» und Mitteldeutschem Rundfunk (MDR) gewinnen die Rechtspopulisten an Zustimmung. Mit 41 Prozent ist der Abstand zur CDU mit 26 Prozent deutlich. Im Vergleich zur letzten Infratest-Umfrage im vergangenen September legte die AfD um zwei Prozentpunkte zu.
Schulze: Kein Denkzettel für Bundesregierung
Ministerpräsident Schulze, seit 100 Tagen im Amt, macht auch die Bundesregierung für die Werte verantwortlich. «Die Menschen hier sind unzufrieden mit dem, was sie aus Berlin bekommen und ich bin es ehrlich gesagt auch», sagte Schulze dem MDR. «Noch nie haben schlechte Werte der Bundesregierung so starke Auswirkungen auf eine Landtagswahlumfrage gehabt, wie wir es im Moment erleben.» Es sei jetzt wichtig, den Menschen zu sagen, dass es bei der Wahl in Sachsen-Anhalt nicht um einen Denkzettel für die Bundesregierung gehe.
Schon seit Tagen war bekannt, dass bald die nächste Umfrage veröffentlicht werden würde. In der CDU haben sie sich schon auf ein dürftiges Ergebnis eingestellt. Zu deutlich sind die Signale der Menschen: Wir werden mit unseren Sorgen nicht gesehen, unsere Themen werden nicht gehört, dazu die unsichere Weltlage, die steigenden Preise - die Christdemokraten, die in Sachsen-Anhalt seit dem Jahr 2002 unterschiedliche Regierungskonstellationen anführten, müssen sich im einsetzenden Wahlkampf von den Bürgern einiges anhören.
Euphorie bei der AfD
Doch in der CDU setzt man darauf, dass sich der Abstand bis zum Wahltermin am 6. September noch verringern wird. Viele Menschen würden sich erst in den Wochen vor der Wahl entscheiden, so die Hoffnung. Vielleicht stünden dann auch stärker landespolitische Themen wie etwa die Bildungspolitik im Fokus.
Bei der AfD dagegen herrscht Euphorie. Man habe die «Schallmauer» von 40 Prozent durchbrochen, sagte Siegmund in einem Video bei X. «Das ist ein riesengroßer Rückenwind.» Gleichzeitig verweist er darauf, dass eine Umfrage noch kein Wahlergebnis ist. «Und deswegen jetzt bloß nicht nachlassen, bloß nicht zu früh freuen.»
Vetternwirtschaft hat nicht geschadet
Auch weitere prominente Vertreter der Partei jubeln über die Zahlen. «Ulli, zieh' durch!», feuerte etwa Parteirechtsaußen Björn Höcke Siegmund von Thüringen aus an. Dort wird die AfD genauso wie in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.