Action, Woolworth & Co. verdrängen klassische Fachhändler
Autor: Christian Rothenberg, dpa
, Mittwoch, 29. April 2026
Viele Menschen kaufen bei Discountern wie Action. Der Erfolg der Ketten wirkt sich für andere Einzelhändler spürbar negativ aus. Einige Branchen trifft es besonders.
Sie sind in vielen Innenstädten zu finden: Discounter wie Action, Tedi oder Woolworth werden in Deutschland immer beliebter und gewinnen an Bedeutung. Das zeigt eine Auswertung des Handelsforschungsinstituts IFH Köln. «Non-Food-Discounter rücken für viele Konsumenten zunehmend in den Mittelpunkt ihres Alltags. Sie ersetzen in zahlreichen Produktbereichen bereits andere Einkaufsstätten und nehmen dem Fachhandel Geschäft weg», sagt IFH-Experte Ralf Deckers.
Die Anbieter füllen demnach in vielen Warengruppen inzwischen ganz oder teilweise die Rolle des Fachhandels aus - insbesondere bei Do-it-yourself-Produkten (DIY), Saisonware, Dekorationsartikeln, Schreib- und Spielwaren. Die Ketten erreichten viele Menschen, so Deckers. Ihr Potenzial sei aber noch nicht ausgeschöpft.
Anders als Aldi oder Lidl sind Non-Food-Discounter auf den Handel mit nicht essbaren Gütern spezialisiert. Sie führen Haushalts- und Schreibwaren, Mode, Heimtextilien, Deko, Spielzeug, Multimedia sowie Freizeit- und Sportartikel. Bei einigen Anbietern gibt es auch Süßigkeiten, Snacks und Getränke. Bekannte Ketten sind Action, Woolworth, Tedi, Kik, Kodi, Mäc-Geiz und Hema.
Umfrage: Jeder Dritte geht hin, obwohl er gar nichts braucht
Eine repräsentative IFH-Umfrage zeigt: 85 Prozent haben in den vergangenen zwei Jahren bei Non-Food-Discountern eingekauft, viele regelmäßig. Besonders begehrt sind Deko (57 Prozent), Schreib- und Spielwaren (54 Prozent), Haushaltswaren (44 Prozent), Heimtextilien (42 Prozent) und DIY-Produkte (41 Prozent). Das IFH Köln hat dazu im März online rund 500 Menschen ab 18 Jahren repräsentativ befragt.
Jeder zweite Käufer gibt an, bei Action & Co. Produkte zu erwerben, die er oder sie bei einem teureren Anbieter niemals kaufen würde. 35 Prozent nehmen spontan Produkte mit, deren Kauf nicht geplant war. Fast jeder Dritte geht ohne konkreten Bedarf in Filialen. Die meisten, die schon dort eingekauft haben, wollen dies in Zukunft wieder tun. Nur wenige lehnen das ab. Begründet wird dies teilweise auch mit der Qualität. Ein Teil der Konsumenten ist bereit, für höhere Qualität mehr zu bezahlen.
Ein zentraler Grund für den Erfolg der Discounter sind laut Deckers ihre günstigen Preise und das ausgeprägte Preisbewusstsein der Kunden. Zwei Drittel der Befragten gaben in der Umfrage an, dass ihnen die Preissteigerungen Angst machen. Viele wollen ihre Ausgaben reduzieren (42 Prozent) - oder haben dies bereits getan (24 Prozent).
Kunden kaufen weniger Werkzeug im Baumarkt
Dass Verbraucher zunehmend auf preisgünstige Alternativen ausweichen, spüren auch die großen Baumärkte. Bei Werkzeug, Gartengeräten und Haushaltswaren gingen die Erlöse 2025 im Vergleich zum Vorjahr laut Branchenverband BHB um jeweils etwa vier Prozent zurück. Auch insgesamt setzte sich der Abwärtstrend fort. Die Branche verzeichnete das dritte Umsatzminus infolge.