Abiturient aus Rheinland-Pfalz klagt gegen zu viel Unterrichtsausfall
Autor: Wolfgang Jung (dpa)
, Dienstag, 22. Sept. 2026
Wie viel Unterricht muss der Staat garantieren? Nach Hunderten ausgefallener Stunden lässt ein ehemaliger Gymnasiast in Rheinland-Pfalz das nun juristisch klären.
Erst ist es nur eine freie Stunde. Dann noch eine. Eine Vertretung. Eine Dienstbesprechung. Ein Freitag, an dem nichts stattfindet. Irgendwann beginnt Susanne Walk, den Stundenplan ihres Sohnes Elija zu fotografieren. Sie notiert Fach, Uhrzeit, Grund des Ausfalls. Drei Jahre lang. "Ich habe gedacht: Irgendwas stimmt da nicht."
Am Ende steht eine Zahl, die zum Ausgangspunkt eines ungewöhnlichen Rechtsstreits wird: Für Elija Walk sind am Eduard-Spranger-Gymnasium in Landau demnach 405 Stunden ausgefallen. Deswegen verklagt der 20-Jährige das Land Rheinland-Pfalz. Dass der Fall längst bundesweit Wellen schlägt, zeigen Reaktionen auch im Internet von Hamburg bis München. Und dass es viele Stunden waren, bestreiten auch die Behörden nicht.
Abiturthemen, die vorher gar nicht im Unterricht drankamen
Elija Walk studiert mittlerweile Sozial- und Kommunikationswissenschaften in Landau. Sein Abitur sei geschrieben, daran ändere kein Verfahren etwas. Darum gehe es ihm auch nicht, sagt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Sondern darum, ob im nächsten Schuljahr wieder jemand in einem Raum ohne Unterricht sitzt - und am Ende allein dafür geradesteht.
Besonders drastisch sei es in Biologie gewesen, schildert er. "Wenn eins von fünf großen Themen, das im Abi vorkommt, gar nicht behandelt wird, kann das eigentlich gar nicht sein." Bei der Vorbereitung auf Klausuren hätten Themen auf dem Plan gestanden, die kaum oder gar nicht behandelt worden seien. "Dann wird man frustriert oder wütend, obwohl man gar nichts dafür kann."
Seine Mutter möchte sich nicht länger auf ein Gefühl verlassen. Sie beginnt, den digitalen Stundenplan zu fotografieren. "Manchmal auch mehrmals, weil sich im Laufe des Tages etwas geändert hat."
Was macht eigentlich die Schulaufsicht in Rheinland-Pfalz?
Geplante Ausfälle - Klassenfahrten oder Lehrerfahrten etwa - habe sie gar nicht eingerechnet. Auch eine Vertretungsstunde ohne fachlich passenden Unterricht habe sich nicht immer als Ausfall niedergeschlagen. Für den Schüler habe es sich trotzdem ähnlich angefühlt. "Dann bringt es ja auch nicht viel", sagt Walk.
Susanne Walk spricht von Fassungslosigkeit. Sie habe sich gefragt: "Wofür gibt es eine Schulaufsicht? Was machen die?" Gespräche mit Lehrern und Schulleitung habe es gegeben. Die Familie habe gehört, es werde sich gekümmert, es werde besser. Doch aus ihrer Sicht änderte sich wenig. "Es kann nicht sein, dass so viel Unterricht ausfällt."