20 Prozent plus x? Darum ist die AfD im Südwesten so stark
Autor: Marco Krefting, dpa
, Freitag, 06. März 2026
Die Partei könnte bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ein Rekordergebnis in Westdeutschland erzielen. Warum vor allem gesellschaftliche und wirtschaftliche Faktoren dabei eine Rolle spielen.
So hoch wie im Osten ist der Zuspruch zur AfD in Baden-Württemberg nicht. Aber wenn am Sonntag der neue Landtag gewählt wird, könnte es das erste westdeutsche Bundesland werden, in dem die Partei die 20-Prozent-Marke knackt. Um den Wert pendelte sie in jüngsten Umfragen.
Bei der Bundestagswahl 2025 erhielt die AfD, die der Verfassungsschutz im Südwesten als rechtsextremistischen Verdachtsfall beobachtet, 19,8 Prozent der Zweitstimmen. Mehr als doppelt so viel wie 2021 und nur ein Prozentpunkt weniger als der bundesweite Wert. Damals legte die Partei auch in anderen westdeutschen Ländern zu. Aber warum ist sie gerade im Südwesten so stark?
Nach der Bundestagswahl machte das Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Uni Tübingen deutliche Unterschiede zwischen eher ländlich geprägten (ruralen) und urbanen Regionen aus: «Die eher ruralen Gebiete rücken nach rechts, die urbanen Zentren bleiben weitgehend resilient.» Besonders gute Ergebnisse erzielte die AfD demnach etwa in Regionen des Schwarzwalds und auf der Schwäbischen Alb.
Diese Regionen seien oft traditionalistisch geprägt, sagt Rolf Frankenberger vom IRex. Wie keine andere Partei adressiere die AfD hier Themen wie traditionelle Familienbilder, Patriotismus, Fremden- und Homofeindlichkeit oder auch den Kampf gegen Windkraft sowie gerade in den Hochburgen der Autoindustrie das Verbrenner-Aus. Mit Sprüchen auf Plakaten wie «Dein Nachbar wählt uns auch» signalisiere sie zudem Normalität.
Gefragt nach der Stärke der AfD im Westen sagte Politikwissenschaftlerin Julia Reuschenbach von der Uni Hamburg dem «Redaktionsnetzwerk Deutschland»: «Der Prozess der Transformation findet im Westen schleichender statt, als er im Osten stattgefunden hat, aber er ist eben spürbar.» Umbrüche seien zu spüren: Geschäfte stünden leer, Busse führen nicht, Industrien seien abgewandert.
AfD malt düstere Lage
Gerade die in Baden-Württemberg breit aufgestellte Autoindustrie schwächelt. AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier betonte in den Wahlrunden im SWR, die Regierenden seien schuld: «Die Probleme hier in Baden-Württemberg sind hausgemacht.» Es sei Zeit, etwas anderes zu wählen. Wenngleich derzeit ausgeschlossen ist, dass die AfD in Regierungsverantwortung kommt.
Ihr Wahlprogramm sei vom Ton eher negativ, haben Frank Brettschneider und sein Team der Uni Hohenheim analysiert. Der Zustand des Landes werde sehr düster gezeichnet, sagte der Experte für politische Kommunikation dem SWR. Neben Klassikerthemen wie mehr Abschiebungen setze die AfD etwa bei der Wirtschaft etwas andere Schwerpunkte: Neben Energiepreisen und Sicherung der Automobilindustrie gehe es etwa um Reisen von AfD-Politikern in die USA und nach Russland, um von dort wirtschaftliche Unterstützung zu bekommen.