Zugunglück in Bad Aibling: Und dann klingelt ein Handy im Leichensack
Autor: Agentur dpa
Bad Aibling, Sonntag, 08. Februar 2026
Stille. Und ein Bild wie nach einer Explosion. Zwei Züge sind kollidiert, zwölf Menschen sterben. Wie der Schock von Bad Aibling nachwirkt - auch nach zehn Jahren.
Stille. Nur ein paar Vögel sind zu hören. Und dann: zwei komplett ineinander verkeilte Züge. "Es sah aus, als wäre es ein Zug, der in der Mitte detoniert war", erinnert sich Wolfram Höfler. "Vögel haben gezwitschert, ansonsten völlige Ruhe, kein Schreien – nichts."
Die Szenerie hat sich bei ihm eingebrannt. Der Feuerwehrkommandant war als Einsatzleiter einer der ersten Helfer, die vor zehn Jahren nach dem verheerenden Zugunglück im bayerischen Bad Aibling am Unfallort eintrafen. Mit zwölf Toten und 89 Verletzten war der Crash vom 9. Februar 2016 eines der schwersten Zugunglücke in Deutschland.
Frontalzusammenstoß auf eingleisiger Strecke am 9. Februar 2016
Gegen 6.45 Uhr rasen an diesem Faschingsdienstag zwischen Kolbermoor und Bad Aibling im Landkreis Rosenheim zwei Regionalzüge in voller Fahrt aufeinander zu. Die Strecke ist eingleisig - es kommt zu einem Frontalzusammenstoß. Ein Triebwagen wird aus dem Gleis geworfen, der entgegenkommende bohrt sich in einen Waggon des anderen Zuges und schlitzt ihn auf.
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Minuten später sind die ersten Helfer vor Ort. Zunächst dürfen sie nicht in die zerstörten Waggons. Die Strecke ist elektrifiziert – Stromschlaggefahr. Dann sieht Höfler Fahrgäste. "Passagiere, die noch mobil waren, haben die Türen aufgedrückt." Der Erste klettert aus dem Zug. Höfler hat nur einen Gedanken: "Gibt es einen Lichtbogen?" Doch nichts geschieht.
Eigentlich dürften die Helfer erst nach offizieller Stromabschaltung und Erdung in den Zug. Doch das hätte wertvolle Zeit gekostet. Die Retter arbeiten sich von den Zugenden aus vor. Höflers erste Aufgabe: erkunden. Er legt Verletzten kurz die Hand auf die Schulter. "Wir kommen gleich, Ruhe bewahren, Sie werden herausgeholt."
Das klingelnde Handy im Leichensack
Wer laufen kann, den bittet der Einsatzleiter, den Zug selbst zu verlassen. Ein Mann, der nicht allzu schwer verletzt scheint, soll zwei andere Verletzte mitnehmen. Er tut, wie ihm geheißen – obwohl er, wie sich später herausstellt, einen Schienbeinbruch und ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat.
Am Boden eines zerstörten Waggons klingelt ein Handy. Auf dem Display erscheint das Gesicht einer Frau. Doch der Mann, den sie erreichen will, hat das Unglück nicht überlebt. Später ist wieder ein Handy zu hören, in einem Leichensack. "Das sind die Eindrücke, die man schon mitnimmt", sagt Höfler.